US-Nachfrage belebt die Exporte
Chinas Wirtschaft nimmt neuen Anlauf

Chinas Export ist so stark gestiegen wie seit 2015 nicht mehr. Die Wirtschaft erholt sich – doch nicht alle Probleme sind gelöst. Indes setzt Donald Trump auf ein positiveres Verhältnis. Er hofft auf Hilfe in Nordkorea.
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PekingUngewöhnlich gute Nachrichten aus China: Die Exporte des Landes lagen laut offizieller Angaben im März in Dollar bewertet 16,4 Prozent höher als im Februar. Das ist der stärkste Anstieg seit zwei Jahren und vier Mal höher als von Analysten erwartet. In der Landeswährung Yuan gerechnet erhöhten sich die Exporte noch deutlicher um 22,3 Prozent. „Das Ergebnis ist überraschend“, sagt Huang Weiping, Wirtschaftsprofessor an der Chinesischen Volksuniversität in Peking.

Zwar sind die Zahlen im ersten Quartal des Jahres immer durch das Neujahrsfest beeinflusst, währenddessen viele Geschäfte geschlossen haben. „Aber die Zahlen zeigen, dass sich die Wirtschaft langsam wieder erholt.“ Auch die Importe stiegen merklich. In Dollar um 20,3 Prozent im Vergleich zum März, in Yuan um 26,3 Prozent.

Nachdem Chinas Außenhandel noch im Februar ein Defizit aufgewiesen hatte, verzeichnete das Land im Folgemonat wieder ein Handelsplus von rund 24 Milliarden Dollar. Auch der staatliche Einkaufsmanagerindex und die Devisenreserven, die jüngst wieder über die Marke von drei Billionen Dollar kletterten, zeigten zuletzt eine positive Entwicklung. Über den Berg sei China aber nicht, so Huang. Die Wirtschaft steht vor großen Problemen. Die Lohnkosten steigen, die Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Die Wirtschaft muss innovativer werden, aber wichtige Wirtschaftsreformen stocken.

Das Wirtschaftswachstum wird durch staatliche Investitionen angefeuert, die die Verschuldung weiter beschleunigen, dazu kommen ein überhitzter Immobiliensektor und eine rasante Kapitalflucht, die auf den Yuan drückt. Dazu kommen die außenpolitischen Herausforderungen. „Wir wissen zum Beispiel nicht, ob Trump an seiner Politik des Protektionismus festhält“, so Huang. Am Montag kommen die Wachstumszahlen fürs erste Quartal. Analysten rechnen im Durchschnitt mit einem Wachstum von 6,8 Prozent.

Trotz des hohen Überschusses scheint ein Streit zwischen den USA und China über die ungleiche Handelsbilanz aber zunächst beigelegt. Im Wahlkampf hatte Trump noch angekündigt Einfuhrzölle auf chinesische Importe zu verhängen, um die heimische Wirtschaft zu stärken. 2016 importierten die USA Waren im Wert von 463 Milliarden Dollar aus China, während sie nur 116 Milliarden Dollar exportiere.

Das scheint nun aber kein Problem mehr zu sein. In einem Interview erklärte Trump am Mittwoch, dass er China in Zukunft auch nicht mehr als Währungsmanipulator bezeichnen werde. Diese Behauptung könnte in Zukunft die Gespräche mit China über Nordkorea belasten, so Trump als Begründung.

Erst am Mittwoch hatten Präsident Trump und sein Amtskollege telefoniert. Die beiden Staatschefs hatten über Syrien gesprochen und mögliche Lösungen im Nordkorea-Konflikt, der sich in den vergangenen Wochen zugespitzt hat. Auf die Frage angesprochen, ob das Versprechen ein Deal war, um die Unterstützung von China in Nordkorea zu gewinnen, antwortete Trump: „Das werden wir sehen.“

Lea Deuber
Lea Deuber
Wiwo / China-Korrespondentin

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