Betriebswirte im Porträt
Bonner Vollbluttheoretiker

In seinem Spezialgebiet ist er einer der forschungsstärksten deutschsprachigen BWL-Professoren. Der Personalökonom Matthias Kräkel hilft Firmen, Anreizsysteme optimal einzusetzen.
  • 2

BonnLange Formeln, kryptische Zeichen - das bringt Matthias Kräkel schon mal ins Schwärmen. „Ökonomische Modelle sind klar, präzise und elegant“, sagt der 46-jährige Bonner Betriebswirt über die Zahlen- und Buchstabenkolonnen, die sich durch viele seiner Arbeiten ziehen. Kräkel ist ein Vollbluttheoretiker, mit mathematischen Modellen erklärt er die große Welt der Personalökonomie.

In seinem Spezialgebiet ist er einer der forschungsstärksten deutschsprachigen BWL-Professoren: Reihenweise veröffentlicht er in renommierten Journals, im neuen Handelsblatt-Ranking liegt er mit seinem Lebenswerk auf Platz zwölf.

Kräkel erforscht unter anderem, nach welchen Kriterien Firmen Bonuszahlungen verteilen sollten und wie sie die Aufstiegsmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter so organisieren, dass alle motiviert arbeiten und es die besten Leute an die Spitze schaffen. „Vor allem für Industrieunternehmen kann es sich zum Beispiel lohnen, parallele Hierarchien anzubieten“, sagt er.

„Viele Ingenieure haben keine Lust, nach einer Beförderung nur noch Managementaufgaben zu übernehmen und nicht mehr selbst forschen zu können.“ Für sie wäre eine Mischung aus Führungsposition und praktischer Arbeit etwa als Laborleiter ideal. Aufpassen sollten Firmen auch bei Quereinsteigern: Wenn ständig nur Führungskräfte von außen ins Unternehmen kommen, entmutige das die eigenen Leute, so Kräkel.

Ein Lieblingsthema von Kräkel sind Leistungsturniere, also betriebsinterne Wettbewerbe zwischen Mitarbeitern um Bonuszahlungen und Beförderungen. „Dabei lässt sich im Kleinen beobachten, welche Strategien Menschen im Konkurrenzkampf anwenden.“ Oft geht es dabei nicht gerade zimperlich zu: Mobbing und Sabotage sind in vielen Unternehmen an der Tagesordnung.

Bonn als ideales Forschungsfeld

Kräkel hilft Firmen, Anreizsysteme so zu gestalten, dass die Mitarbeiter, anstatt sich gegenseitig fertigzumachen, versuchen mit der eigenen Leistung zu überzeugen. „Wenn ein Mitarbeiter nicht an der Leistung seiner Kollegen in der gleichen Abteilung gemessen, sondern mit Angestellten in einer anderen Betriebsstätte verglichen wird, kann er die Arbeit seiner Gegner nicht manipulieren.“

Die Liebe zu Modellen hat Kräkel aus der VWL. Seine wissenschaftliche Karriere begann an der Universität Hannover, wo er Wirtschaftswissenschaften studierte. „Die Nähe zur VWL und ihren Methoden hat der BWL gutgetan“, sagt er. Früher hätten Betriebswirte oft sehr schwammig argumentiert. Die klare Zahlen- und Modellsprache zwinge dazu, methodisch präzise zu arbeiten.

„Durch das Argumentieren mit Modellen macht man sich angreifbar, und das ist auch gut so“, meint Kräkel. Nach Bonn kam er mit seinem Mentor Bernd Schauenberg, unter dem er auch an der FU Berlin promovierte und in Würzburg habilitierte. Schauenberg leitet inzwischen an der Universität Freiburg den Lehrstuhl für Personal- und Organisationsökonomie.

Kräkel hingegen will aus Bonn gar nicht mehr weg: Mehrere Rufe an andere Unis hat er bereits abgelehnt. „Für Ökonomen bietet Bonn ein ideales Forschungsumfeld“, sagt er. „Ich kann hier direkt mit vielen hervorragenden Kollegen meine Projekte besprechen.“

Und auch den Austausch mit den Bonner Studenten genießt Kräkel. Bei der Vorbereitung von Vorlesungen oder in Seminaren kommt er schon mal auf neue Forschungsideen. Dann geht er schnurstracks in sein kleines Büro, setzt sich an den Computer und macht aus der Idee eine lange Formelreihe.

Kommentare zu " Betriebswirte im Porträt: Bonner Vollbluttheoretiker"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die "bösen" Modelle sind zum Großteil von Mathematikern entwickelt worden und von der VWL nur übernommen worden. Aber die kritisiert niemand, weil dazu das Verständnis nicht reicht. Die komplizierten Finanzprodukte, welche die Krise ausgelöst haben, sind von Mathematikern und Physikern entwickelt worden. VWL schaffen es nur selten in solche stark quantitativen Abteilungen von Banken. Vielleicht macht man es sich zu einfach, wenn man versucht alles Übel in der Welt auf einzelne Fachrichtungen zurückzuführen.

  • Es sind gerade die BWL-Und VWL´er die uns in diese Wirtschaftskrise gestürzt haben, wiel sie glauben, alles mit ihren Modellen berechnen zu können. Folgt man zum Beispiel den in der Bankenwelt beherrschenden VaR-Ansätzen, hätte es die Finanz- und Staatsschuldenkrise nicht in dieser kurzen zeitlichen Abfolge geben dürfen (Stichwort Konfidenzniveau 99,5%). Und gerade bei Modellen zur Berchnung von Managementvergütungen ist mE klar was rauskommen muss, nämlich dass was der Auftraggeber will. Gerade solche MOdelle sind die Grundlage ausufernder Managementvergtungen. Alles in die Tonnen klopfen und nach gesundem Menschenverstand an Leistung, Risiko und langfristigem Erfolg des Unternehmens aurichten, dass ist die Devise. Die jetzige Krise istl leider zu nicht unwesentlichen Teilen eine Expertenkrise, die klar macht, dass BWL und VWL reine Schönwetterwissenschaften sind. Genau so gut könnte man die Astrologie befragen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%