Bruno Frey
Unorthodox, kreativ und sehr erfolgreich

Keiner seiner Kollegen hat so viel in angesehenen internationalen Zeitschriften veröffentlicht wie der Schweizer Ökonom. Doch seine Glaubwürdigkeit ist beschädigt.

LondonMit Betrug in der Wissenschaft kennt sich Bruno Frey ziemlich genau aus - im vergangenen Jahr startete er ein großangelegtes, internationales Forschungsprojekt zu diesem Thema. Frey befragte sämtliche Mitglieder des Vereins für Socialpolitik und der European Economic Association zu ihren Erfahrungen - und wollte die gleichen Fragen auch den Mitgliedern der American Economic Association stellen.

Jetzt jedoch liegt das Projekt auf Eis - Frey selbst ist wegen seiner fragwürdigen Publikationspraxis ins Gerede gekommen. Die Debatte um Eigenplagiate und mangelnde Literaturrecherche haben die Glaubwürdigkeit des Professors der Universität Zürich massiv beschädigt.

Bislang war Bruno Frey eine der Lichtgestalten der deutschsprachigen VWL: Keiner seiner Kollegen hat so viel in angesehenen internationalen Zeitschriften veröffentlicht wie Frey, zeigt das Handelsblatt-Ökonomenranking. Im Internet werden seine Forschungspapiere öfter heruntergeladen als die Arbeiten jedes anderen deutschsprachigen Ökonomen, weltweit liegt Frey in den Download-Statistiken von der Internetdatenbank Repec auf Platz 38.

Nicht nur in der Wissenschaft, auch in der Öffentlichkeit ist Frey präsent - mit Interviews, Gastbeiträgen und Vorträgen. "Ökonomen haben eine Aufgabe in der Gesellschaft", ist er überzeugt. Im Jahr 2007 verlieh ihm der Verein für Socialpolitik als erstem Ökonomen den Gustav-Stolper-Preis. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung geht an herausragende Wissenschaftler, die sich besondere Verdienste bei der Kommunikation mit der Öffentlichkeit erworben haben. Zwei Jahre zuvor hatte ihn das Forschungsnetzwerk CESifo zum "Distinguished CESifo Fellow" des Jahres gekürt.

Frey hat sich vor allem mit seinen Arbeiten zum Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Lebenszufriedenheit einen Namen gemacht. Er war einer der ersten Ökonomen, die dieses Thema aufgriffen und zeigten: Höherer Wohlstand macht Menschen auf Dauer nicht glücklicher. "Freundschaften, Familie und andere soziale Beziehungen sind viel wichtiger", betont Frey.

Ein Pionier war er auch bei der Erkenntnis, dass monetäre Anreize mitunter Menschen demotivieren können - weil sie den inneren Antrieb ("intrinsische Motivation") verdrängen können. Und Ende der 70er-Jahre propagierte Frey als einer der ersten in Europa die "neue politische Ökonomie". Dabei versuchen Ökonomen, Politik und politische Prozesse in die Wirtschaftstheorie zu integrieren.

Berühmt ist Frey für seine unorthodoxen Ideen und unkonventionellen Forschungsfragen. So war er einer der ersten Forscher, die die ökonomischen Effekte von Auszeichnungen und Preisen untersuchten. In jüngster Zeit hat er sich auch mit Benediktinerabteien aus ökonomischer Sicht beschäftigt. Frey ist überzeugt: Ökonomen sollten ihren Blick nicht nur auf Märkte und Preise verengen.

Frey kritisiert seit Jahren zudem die Arbeitsweise in der Volkswirtschaftslehre. Die Herausgeber und die Fachgutachter der Zeitschriften machten den Forschern zu enge Vorgaben - Wissenschaftler müssten sich für die Journale "prostituieren", um ihre Arbeiten veröffentlichen zu können.

Es werde zu viel Gewicht auf Rankings gelegt und zu sehr darauf geachtet, in welcher Zeitschrift ein Forscher seine Aufsätze veröffentliche - die inhaltliche Qualität eines Artikels werde dagegen zu wenig beachtet.

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