Champagner-Hersteller in der Krise
Die perlende Wissenschaft

An der französischen Reims Management School forscht und lehrt der einzige Professor für Champagner- Management der Welt. Der Betriebswirt sucht nach Auswegen aus der Krise, in der die Branche seit drei Jahren steckt.
  • 0

Reims Erst die Praxis, dann die Theorie. Zwei Gläser Champagner bestellt Stephen Charters für seinen Besucher und sich selbst, bevor er irgendwelche Fragen beantwortet. Der Aperitif vor dem Mittagessen. „Jacquesson Brut“ ist an diesem Mittwoch der Champagner des Tages im traditionsreichen „Café du Palais“ im Herzen der Champagner-Hauptstadt Reims 150 Kilometer nordöstlich von Paris.

„Jacquesson, das ist ein kleines, außerhalb der Region wenig bekanntes Haus“, fängt Charters dann doch an zu dozieren, bevor die Gläser auf dem Tisch stehen. Die älteste, konzernunabhängige Champagner-Kellerei der Region – sie produziert in Dizy, 30 Autominuten südlich von Reims und gehört zwei Brüdern mit einem großen Faible für Qualität. „Santé!“ Stephen Charters, der 54-jährige Brite mit dem grauen Vollbart, hat einen Job, den es nur einmal gibt auf der Welt: Er ist Professor für Champagner-Management an der renommierten Reims Management School, einer Kaderschmiede für Manager. Wenige Menschen wissen so viel über die wirtschaftlichen Strukturen und Besonderheiten der Branche mit ihren 292 Champagner-Kellereien und ihren 15.000 Weinbauern, für die die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr die mit Abstand wichtigsten des Jahres sind. Kaum jemand kennt die Marketing-Strategien der Unternehmen und die Herausforderungen, vor denen sie stehen, so gut wie Charters. Gemeinsam mit den Kellereien geht es ihm derzeit vor allem um eins: Wie kann die Branche die Wirtschaftskrise hinter sich lassen und die wachsende Konkurrenz auf Abstand halten?

Vor vier Jahren hat die Reims Management School den Champagner-Lehrstuhl aufgebaut – um Management-Konzepte für den wichtigsten Wirtschaftszweig der Region zu entwickeln und Führungskräfte auszubilden. „Ich beschäftige mich nicht mit Produktionstechniken“, sagt Charters, „die werden schon anderswo gründlich erforscht.“ Das Marketing und das Management von Wein ist sein großes Thema. „Mir geht es nicht darum, besseren Wein zu produzieren, ich möchte den Markt und den Konsumenten besser verstehen.“

Kommentare zu " Champagner-Hersteller in der Krise: Die perlende Wissenschaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%