EZB mahnt Banken
Zinssatz für Dreimonatsgeld auf Rekordhöhe

So zuverlässig die Europäische Zentralbank (EZB) auch den Zinssatz für Tagesgeld am Geldmarkt steuert, so hartnäckig widersetzen sich die Sätze für längere Laufzeiten ihrem Einfluss. Bei dem gestern mit rund 60 Mrd. Euro zugeteilten 92-tägigen Refinanzierungsgeschäft lag der gewogene Durchschnittssatz auf Rekorhöhe.
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FRANKFURT. Bei dem am gestrigen Dienstag mit rund 60 Mrd. Euro zugeteilten 92-tägigen Refinanzierungsgeschäft hätten die Kreditinstitute bis zu 5,05 Prozent geboten, teilte die EZB mit. Der Satz für Tagesgeld stabilisierte sich dagegen wieder um den geltenden Euro-Leitzins von vier Prozent.

Zugeteilt wurden bei dem Dreimonats-Tender 56,95 Prozent der abgegebenen Gebote ab einem Zinssatz von 4,81 Prozent. Der gewogene Durchschnittssatz lag nach Angaben der EZB bei 4,88 Prozent. Das ist der höchste Satz, der am Geldmarkt seit 2000 für Dreimonats-Geld geboten wird.

EZB-Direktoriumsmitglied José Manuel Gonzáles-Páramo hat darauf hingewiesen, dass die EZB gar nicht davon ausgeht, dass sie die Bedingungen bei den längerfristigen Laufzeiten am Geldmarkt normalisieren kann. „Die derzeitigen Schwierigkeiten in diesem Markt werden nur nachlassen, wenn die Banken untereinander wieder Vertrauen zueinander fassen und die Unsicherheit über ihre eigenen Liquiditätsbedürfnisse nachlässt“, erklärte Gonzáles-Páramo. Die Voraussetzung dafür sei vermutlich ein höheres Maß an Transparenz aller Finanzmarktakteure. Nur dadurch könne die zurzeit herrschende Undurchsichtigkeit und Ungewissheit behoben werden.

Bei ihrem regulären einwöchigen Hauptrefinanzierungsgeschäft teilte die EZB am Dienstag, einen Tag vor Beginn der neuen Mindestreserve–Erfüllungsperiode, 218,5 Mrd. Euro zu. Das sind 35 Mrd. Euro mehr als nach der Prognose der EZB für ein Gleichgewicht am Geldmarkt erforderlich gewesen wären. Zum Zuge kamen Kreditinstitute mit Geboten zwischen 4,18 und 4,30 Prozent.

Erholung brachte dem Markt am Dienstag ein Schnelltender zu einem Festzins von vier Prozent, der 21 Mrd. Euro an überschüssiger Liquidität entzog. Insgesamt hatten 20 Institute 23,6 Mrd. Euro zurückgeben wollen.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin

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