George Soros
Millionen-Angriff auf etablierte VWL

1992 hat er die Bank of England geknackt – jetzt nimmt er sich die etablierte Volkswirtschaftslehre (VWL) vor: Der legendäre Investor und Milliardär George Soros steckt 50 Millionen Dollar in eine neue ökonomische Denkfabrik mit dem programmatischen Namen „Institute for New Economic Thinking“ (INET).
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LONDON. Das Institut soll neues Denken in der Wirtschaftswissenschaft vorantreiben. „Die gesamte weltweite Finanzarchitektur basiert auf der falschen Annahme, dass man Märkte sich selbst überlassen kann“, sagte der gebürtige Ungar Soros vergangene Woche in Budapest. „Wir müssen ein neues Paradigma finden.“

Für seine Denkfabrik konnte Soros eine Reihe prominenter Ökonomen gewinnen. Im wissenschaftlichen Beirat sitzen unter anderem die Nobelpreisträger George Akerlof, James Mirrlees, Michael Spence und Joseph Stiglitz.

In einem Essay zur Gründung des Instituts schrieb Stiglitz: „Die Finanzkrise hat innerhalb der ökonomischen Zunft zu einem tiefen Nachdenken geführt, sie war ein Realitätstest für viele lang etablierte Ideen.“

Operativ geführt wird das Institut, das seine Zentrale in New York haben wird, von dem langjährigen Soros-Vertrauten Robert Johnson. Er war früher Managing Director beim Hedge-Fonds Soros Fund Management.

In der etablierten Volkswirtschaftslehre gebe es einen „marktfundamentalistischen Konsens“, sagte Johnson im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Diesen Konsens wollen wir erschüttern.“ Neben New York soll es in verschiedenen Ländern „Außenposten“ des INET geben, die eng mit Universitäten kooperieren sollen – unter anderem in Budapest, Peking und „vielleicht auch in Berlin“, sagte Johnson. „Wir verhandeln derzeit mit einem möglichen Kooperationspartner in Berlin.“

Das erste Projekt des Instituts ist eine wissenschaftliche Konferenz zur Finanzkrise, die im April 2010 am King’s College im britischen Cambridge stattfinden soll. Zudem will das Institut Forschungsprojekte finanzieren – vor allem zu traditionellen Themen aus Makroökonomie und Finanzmarktforschung. Auch eine eigene ökonomische Fachzeitschrift ist geplant. „Wir haben keine fertigen Antworten auf die Krise der Wirtschaftswissenschaft“, betont Johnson, „wir wollen Wissenschaftler inspirieren, nach diesen Antworten zu suchen.“

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  • Die Antworten auf die Krise der Wirtschaftswissenschaften hatte Silvio Gesell schon vor 100 Jahren.
    Die Theorie der Marktfundamentalisten: Der freie Markt regelt sich selbst.
    Was die Marktfundamentalisten aber nie begriffen haben, dass der Markt noch nie frei war. Es wird immer davon aus gegangen Kapitalismus = freier Markt. Kapitalismus ist der entfesselte Finanzmarkt der die reale Wirtschaft mit seinem Geld versklavt.
    Die Lösung ist einfach: Man muss nur dem Geld die Wertaufbewahrungsfunktion nehmen und es genau wie physische Güter verrotten lassen. Dann verliert Geld den Vorteil und auch die Macht über die reale Wirtschaft. Nur eine freie Marktwirtschaft regelt sich selbst, Kapitalismus endet im Chaos.

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