Globalisierung
Der Motor der Globalisierung ist nicht zu bremsen

Die Globalisierung hat in den letzten Jahren zugenommen. Während sich der Anstieg in den reichen westlichen Industrieländern abflacht, gewinnt er – ausgehend von einem niedrigeren Niveau – in den Schwellenländern an Fahrt. Indes haben ausländischer Direktinvestitionen ein neues Rekordhoch erreicht.
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FRANKFURT. Darauf deutet die Entwicklung des Globalisierungsindex der Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich hin.

In der jährlichen Studie, die gestern veröffentlicht wurde und die auf Daten von 2005 beruht, führt Belgien gefolgt von Österreich die Rangliste der am stärksten globalisierten Nationen wie in den Vorjahren an. Deutschland liegt auf Platz elf von 122 Ländern.

Das Barometer setzt sich aus 24 Variablen zusammen und unterscheidet zwischen wirtschaftlicher, sozialer und politischer Globalisierung. Autor der Studie ist der ETH-Ökonom Axel Dreher, der in einem Handelsblatt-Ranking zu den 15 forschungsstärksten Ökonomen unter 40 Jahren im deutschsprachigen Raum zählt. Wie ausgeprägt die internationalen Wirtschaftsbeziehungen eines Landes sind, misst Dreher etwa an der Entwicklung der Ex- und Importe sowie der ausländischen Direktinvestitionen. Unter sozialer Globalisierung versteht er unter anderem technische Errungenschaften und zählt zum Beispiel das Telefonaufkommen und die Zahl der Internetnutzer eines Landes. Wie politisch globalisiert ein Land ist, liest der Volkswirt etwa daran ab, wie hoch die Zahl der Mitgliedschaften in internationalen Organisationen und die der Botschaften in einem Land ist.

Rückwirkend bis 1970 hat Dreher zum vierten Mal alle Länder untersucht, für die er über ausreichende Daten verfügt. Innerhalb dieser Zeit habe der Grad der Globalisierung insgesamt stetig zugenommen. „Der Grad des Anstiegs war Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre am stärksten“, sagt er. Damals hätte die Telekom-Industrie für große Fortschritte gesorgt. Seit 2001 stagniert die soziale Globalisierung, zu der die IT zählt, allerdings.

Das spiegelt sich auch in der Entwicklung Deutschlands wieder: Das Land gewann in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich und liegt seit 1991 unter den Top 20. Von 2001 bis 2004 hatte die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone im Schnitt an Boden verloren und war auf Rang 18 zurückgefallen. In der aktuellen Studie hat die Bundesrepublik sieben Plätze gut gemacht – dank steigender ausländischer Direktinvestitionen.

Dass kleine Länder die Rangliste anführen, verblüfft Dreher nicht: Schließlich seien sie verstärkt auf Handel angewiesen. Die USA dagegen liegen nur auf Platz 22. Die größte Volkswirtschaft der Welt ist laut Dreher zwar bei der politischen Komponente weit vorn, die wirtschaftliche sei dagegen weniger ausgeprägt.

Diese Globalisierungsstärke der kleinen Länder unterstreicht auch ein Index, den das Beratungsunternehmen A.T. Kearney zusammen mit der US-Zeitschrift „Foreign Policy“ im November veröffentlicht hat. Danach sind Singapur, Hongkong, die Niederlande, die Schweiz und Irland die am meisten globalisierten Staaten. Deutschland rangiert auf Platz 22. Das Barometer der Managementberatung untersucht den Globalisierungsgrad in den weltweit größten Volkswirtschaften anhand von vier Hauptkriterien: ökonomische Transaktionen, soziale Integration, technologische Vernetzung und politisches Engagement.

Wie stark die Globalisierung auf wirtschaftlichem Gebiet fortschreitet, belegen auch neue Zahlen der Uno-Handelsorganisation Unctad. Demnach sind die ausländischen Direktinvestitionen 2007 trotz der Finanzmarktturbulenzen weltweit auf den Rekordstand von 1,5 Billionen Dollar gestiegen – nach 1,3 Billionen Dollar im Vorjahr und dem bisherigen Höchststand von 1,4 Billionen Dollar im Jahr 2000. Die USA verzeichneten 2007 mit 192,9 Mrd. Dollar weiterhin die höchsten Zuwächse bei den ausländischen Direktinvestitionszuflüssen. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Großbritannien und Frankreich. Die ausländischen Investitionsströme nach Russland haben sich gegenüber 2006 nahezu verdoppelt. Rekordwerte verzeichneten auch die Zuflüsse nach Afrika (36 Mrd. Dollar) und Lateinamerika (126 Mrd. Dollar). Grund sei die starke Rohstoffnachfrage.

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