Hedge-Fonds mindern Risiken
Stabilität durch Spekulation

Hedge-Fonds stehen momentan im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dabei stellen sie gar keine Gefahr für die Finanzmärkte dar. Im Gegenteil: Sie decken falsche Bewertungen von Finanzprodukten auf und sorgen für mehr Liquidität.

Die Eruption an der Börse in Schanghai hat eine weltweite Börsenkorrektur ausgelöst und wirft Fragen grundsätzlicher Natur auf. Ist das globale Finanzsystem instabil? Im Scheinwerferlicht der Besorgnis stehen dabei vor allem Hedge-Fonds und deren Spekulation. Auch die G7-Finanzminister haben sich des Themas angenommen.

Wie berechtigt sind diese Sorgen? Zunächst: Hedge-Fonds haben dazu beigetragen, dass nahezu alle Risikokennziffern heute niedrig sind. Sie sind an der Verstetigung finanz- und schließlich realwirtschaftlicher Entwicklungen maßgeblich beteiligt. Selbst wenn Spekulationen regelmäßig als Quelle von Krise und Instabilität gesehen werden: Bei genauer Betrachtung belegen die Erfahrungen der internationalen Finanzkrisen, dass die Instabilität keineswegs von der Spekulation an sich ausging, sondern von politischen Fehlern, gepaart mit der naiven Vorstellung, man könne auf Dauer Anpassungen vermeiden. Spekulanten suchen im Meer der Finanzpreise nach Fehlbewertungen, die sich ergeben, wenn Preise von Fundamentalwerten abweichen.

Viele Spekulanten wetten darauf, dass der Fundamentalwert sich langfristig durchsetzt. Dabei hat ihr Handeln zunächst keinen Einfluss auf den Kurs; sie haben einen Anreiz, sich nicht allzu auffällig zu verhalten, da sie andernfalls Trittbrettfahrer einladen. Spekulanten werden ihren Informationsvorsprung jedenfalls anfangs verbergen. So ist es gerechtfertigt, dass Hedge-Fonds ihre Geschäftsidee nicht der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Wenn viele Spekulanten zu einer ähnlichen Überzeugung kommen oder genügend große Summen eingesetzt werden, bewegt die Spekulation den Preis in Richtung einer fairen Marktbewertung.

Selbstverständlich können Spekulanten versuchen, den Marktpreis zu manipulieren. Wenn es ihnen gelingt, den Kurs in eine von ihnen gewünschte Richtung irrezuleiten, untergraben sie den Preisfindungsmechanismus und profitieren zu allem Übel auch noch davon. Dass dies möglich ist, belegt zum Beispiel die Studie von Bernard Black und Henry Hu zum Problem der Stimmrechte bei geliehenen Wertpapieren. Offenbar haben Spekulanten mit den Stimmrechten aus geliehenen Aktien Abstimmungen auf Hauptversammlungen überraschend gekippt, den Aktienkurs damit irregeleitet und von dieser Einflussnahme profitiert. Doch manipulierende Spekulation ist bestenfalls anrüchig, schlimmstenfalls kriminell und allemal riskant: Manipulierendes Handeln kann den Spekulanten ins Gefängnis bringen. Er ist erpressbar, wenn er Mitwisser hat. Aufsichtsbehörden, Journalisten und andere Anleger haben Interesse, manipulierende Spekulation aufzudecken, so dass der Spekulant aufwendige Tarnung betreiben muss.

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