Insiderinformationen
Ich schau dir ins Depot, Chef!

Damit Konzernlenker ihren Informationsvorsprung nicht nutzen, um sich heimlich zu bereichern, müssen Insider den Handel mit Aktien der eigenen Firma veröffentlichen. Ob Anleger diese Informationen für den eigenen Profit nutzen können, ist unter Forschern umstritten.
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DÜSSELDORF. Eigentlich ist der Handel mit Aktien eine höchst anonyme Angelegenheit. An der Börse bleiben alle inkognito: Wer wann welche Firmenanteile kauft, ist Privatsache und geht niemanden etwas an.

Doch es gibt eine Gruppe, für die gilt das nicht: Wenn Unternehmensvorstände, Aufsichtsratsmitglieder und deren Angehörige mit Aktien der eigenen Firma handeln, müssen sie das spätestens fünf Tage danach veröffentlichen. Damit soll verhindert werden, dass Insider sich mit ihren Informationsvorsprüngen heimlich bereichern. Auf den Internetseiten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kann jeder die Transaktionen der Mächtigen genau nachlesen.

Dort erfährt man etwa, dass sich die Konzernspitze der Rhön-Kliniken zurzeit massiv an der Kapitalerhöhung des eigenen Unternehmens beteiligt. Allein der Aufsichtsratschef und seine Frau haben Anteile für mehr als sieben Millionen Euro gekauft. Solche Nachrichten saugt die Anlegerszene begierig auf: Viele werten das Engagement der Klinikchefs als klaren Hinweis dafür, dass der Konzern gut aufgestellt ist für seinen Expansionskurs.

Unter den Anlagestrategen in Deutschland herrscht eine gewisse Euphorie, seit die Veröffentlichungspflicht 2002 eingeführt wurde. Sie erhoffen sich Hinweise für die perfekte Börsenstrategie. Auch einige Banken sind auf den Zug aufgesprungen: So entwickelte etwa die Commerzbank für ihre Anleger ein Zertifikat, das stets ein Paket derjenigen Dax-Aktien abbildet, die zuletzt besonders oft von den eigenen Firmenchefs gekauft wurden. Ein ähnliches Produkt gibt es von der Deutschen Bank.

Doch wie erfolgreich sind Anleger, die den Firmenchefs alles nachmachen? Die Datenbanken der Kapitalmarktforscher sind inzwischen groß genug, um diese Frage wissenschaftlich zu untersuchen.

Erste Studien zeigen: Anlegern, die die Entscheidungen der Insider nachahmen – die also nach jeder Veröffentlichung die gleichen Aktien kaufen –, scheinen auf den ersten Blick tatsächlich üppige Gewinne zu winken. Doch ob sie die Profite dann auch einstreichen können, ist unter Forschern umstritten.

Als gesichert gilt: Einen Monat nach dem Kauf stehen die Kurse der entsprechenden Aktien in Deutschland im Schnitt vier Prozent besser da als die des Gesamtmarktes. Das fand der Bankexperte Björn Dymke von der Universität Tübingen heraus. Die Analyse zeigt: Der Markt reagiert mit einigen Tagen Verzögerung auf die neuen Informationen. Wer schnell genug ist, kann die Aktien günstig kaufen, bevor ihr Wert steigt – oder schnell noch abstoßen, bevor der Kurs in den Keller geht.

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  • Holzauge war auch einmal insider und kann daher nur warnen, insiderentscheidungen blindlings zu imitieren. Für insider gibt es eine ganze Reihe von Gründen, zu kaufen oder zu verkaufen, die rein garnichts mit Renditeerwartungen zu tun haben und von außen auch nicht nachvollziehbar sind.

    Holzauge

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