Karriere eines Volkswirtes
Praxiserfahrung als Makel

Warum in Deutschland nur wenige Ökonomen aus Unternehmen in die Wissenschaft zurückkehren:

HB KÖLN. Wenn Felix Höffler mal wieder den einsamen Kampf mit dem weißen Bildschirm kämpft, denkt er manchmal an früher. Als das Telefon ununterbrochen klingelte, das E-Mail-Postfach und der Terminkalender voll waren und er in drei Tagen eine Vorstandsvorlage ausarbeiten musste. „Das gibt einem schon ein Gefühl von Wichtigkeit“, sagt der promovierte Volkswirt.

Bei der Deutschen Telekom war Höffler Referent für strategische Planung und Portfolio-Management. Er verdiente gut, sein Arbeitsplatz war sicher. Doch vor gut einem Jahr wollte er das nicht mehr. Er ging zurück in die Wissenschaft.

„Ich habe gezögert“, erinnert sich der 35-Jährige, „denn ich werde in der Wissenschaft nie so viel verdienen können wie bisher. Ob ich eine Professur bekomme, ist auch nicht sicher.“ Aber unter der Oberfläche habe schon immer eine wissenschaftliche Leidenschaft geschlummert. Jetzt, als Forscher am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn, könne er selbstbestimmter und freier arbeiten. „Das wiegt das Negative auf.“

Unter Ökonomen ist Höffler ein Exot. Nur wenige Volkswirte, die den Sprung in Unternehmen geschafft haben, gehen freiwillig aus der Praxis zurück in die Wissenschaft. Während bei Betriebswirten ein Abstecher in ein Unternehmen geradezu erwünscht ist, kann das der wissenschaftlichen Karriere eines Volkswirtes schaden. Er konnte nicht publizieren, war nicht auf internationalen Konferenzen, hat den Anschluss verloren. Das System ist nur wenig durchlässig.

Das hat auch Christian Ewerhart gemerkt. Über drei Jahre arbeitete er bei Boston Consulting und bei der Frankfurter Börse. Nach seiner Promotion in Bonn war die Arbeit in der freien Wirtschaft eine Herausforderung – heute sieht er sie aber als verlorene Zeit. „Es schadet der persönlichen Entwicklung nicht, in einem Unternehmen gearbeitet zu haben“, räumt Ewerhart ein. Aber eine wissenschaftliche Karriere habe das erschwert. „Meine Kollegen aus der Uni waren in den drei Jahren als Assistenzprofessoren in den USA, haben regelmäßig publiziert und Kontakte geknüpft. Das konnte ich in dem Maße nicht machen.“

Trotzdem hat der 39-jährige Volkswirt und Mathematiker die Wissenschaft nie ganz ruhen lassen. Im Urlaub besuchte er Konferenzen. Im Flugzeug und in den Mittagspausen, die Berater oft zur Kontaktpflege nutzen, las er wissenschaftliche Aufsätze und schrieb selber welche. „Das hat mir vor fünf Jahren geholfen, eine externe Habilitation in Mannheim zu bekommen.“ Seit September 2003 ist er Professor an der Uni Zürich.

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