Kuschelfaktor schadet
Warum das Betriebsklima nicht zu gut sein sollte

Bislang galt es als gesichert, dass wirtschaftliche und technologische Innovationen nur in guter Arbeitsatmosphäre gedeihen. Zwei Ökonomen zeigen nun, dass ein zu großer Kuschelfaktor schadet.
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DÜSSELDORF. Es war eine Zeit des Aufbruchs, als das Internetzeitalter begann. Man ging gerne in sein Startup. Die Kollegen waren nett, die Chefs entspannt, die Arbeit spannend. Alle waren per Du, Mittagspausen wurden im Kollektiv begangen, abends zog man gemeinsam durch die Clubs. Alle waren hochmotiviert, weil sie gute Ideen schnell umsetzen konnten. Doch irgendwann schlug auch bei den Internet-Startups die Euphorie um, weil die Ideen nicht mehr sprudelten.

Dieses Phänomen zeigte sich nicht nur während des Internet-Hypes. Viele neu gegründete Unternehmen erleiden irgendwann eine Innovationsdelle, obwohl die Unternehmen anfangs sehr teamorientiert gearbeitet und Innovationen am laufenden Band produziert haben. Auch in Forschungszentren erlahmen immer mal wieder Ideen, obwohl die Kollegen sich hervorragend verstehen.

Zwei spanische Forscher fragten sich daher: Kann es auch ein Zuviel an guter Atmosphäre geben? Und: Wirkt so ein Kuschelfaktor nicht nur innerhalb, sondern auch zwischen Unternehmen, zum Beispiel in Inkubatoren oder Technologiezentren? Xavier Molina Morales und Teresa Martinez-Fernandez von der Universität Jaume versuchten diesen Fragen empirisch auf den Grund zu gehen. Dafür befragten sie Führungskräfte und Mitarbeiter von Unternehmen in spanischen Technologiezentren und Startup-Inkubatoren.

Dort arbeiten Firmen derselben Branche oft Tür an Tür, helfen sich gegenseitig, nutzen die gleichen Büros oder Labore. Mehrere Studien belegen, dass Unternehmen nicht nur von dieser gemeinsamen Nutzung von Resourcen, sondern auch vom sozialen Miteinander der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter profitieren. Ist das Vertrauensverhältnis gut, sinkt die Sorge, dass vertrauliche Informationen den Cluster verlassen. Auch innerhalb der einzelnen, meist noch kleinen Unternehmen arbeiten die Mitarbeiter enger zusammen als anderswo.

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