Ökonom des Jahres
Kenneth Rogoff – Der Welterklärer

Harvard-Professor Kenneth Rogoff hat zusammen mit Carmen Reinhart das wichtigste Buch des Jahres geschrieben. „Dieses Mal ist alles anders!“ erklärt mit beispielloser Akribie das Wesen der noch immer nicht ausgestandenen Finanzkrise – und was die Politik daraus lernen sollte.
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DÜSSELDORF. „Dieses Mal ist alles anders!“ So lautet nicht nur der ironische Titel des Anfang 2010 in Deutschland erschienenen Werks von Kenneth S. Rogoff und Carmen M. Reinhart – sondern mit diesen Worten ließe sich auch die exponierte Stellung umschreiben, die die beiden Autoren mit ihren Gedanken im Kreise ihrer Ökonomen-Kollegen einnehmen. Während andere sich oftmals mit apokalyptischen Verkündungen oder leutseligen Phrasen begnügen, tun Rogoff und Reinhart in bislang beispielloser Akribie nicht weniger, als die Analyse von Finanzkrisen neu zu definieren. Fast folgerichtig ist das Werk in kurzer Zeit national und international zum Bestseller avanciert.

Das Neue daran ist, dass sie die Perspektive ihrer Beobachtungen einmalig weit fassen. Ihren Ausführungen geht die Einsicht voraus, dass Ökonomen, Politiker und Praktiker bei ihren bisherigen Versuchen, Krisen angemessen zu erklären, geschlampt haben: durch die unzulässige Verkürzung ihrer Beobachtungen auf allzu kurze Zeiträume.

So stellen Rogoff und Reinhart fest, dass ein Großteil der einschlägigen Literatur sich auf Zahlenmaterial ab dem Jahr 1980 stütze – schon allein, weil nur dieses Zahlenmaterial schnell und einfach über vorhandene Sammlungen und Datenbanken abrufbar sei. Rogoff und Reinhart sind dagegen überzeugt, nur dann gültige Rückschlüsse ziehen zu können, wenn sie den Beobachtungszeitraum so weit wie möglich ausdehnen. Konsequenterweise ziehen sie für ihre empirische Analyse einen Zeitraum von gigantischen 800 Jahren heran und stützen sich dabei auf Zahlen aus 66 Ländern.

Wenig würde die Fleißarbeit nutzen, wenn die Ergebnisse im Elfenbeinturm verborgen bleiben würden. Doch das Risiko erscheint gering – dafür sorgt vor allem Ken Rogoff. Bekannt geworden als Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), der er von 2001 bis 2003 war, nutzt er seine Prominenz heute, um seine wissenschaftlichen Erkenntnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen. An seiner akademischen Reputation besteht ohnehin kein Zweifel: Studienabschluss in Yale mit summa cum laude, Promotion am Massachusetts Institute of Technology (MIT), weitere Stationen in Berkeley und Princeton sowie seine heutige Professur an der Harvard University sprechen für sich. Ganz nebenbei erhielt Rogoff 1978 – also mit 25 Jahren – den Titel eines „Internationalen Schachgroßmeisters“.

Hingegen hat Carmen M. Reinhart – wie Rogoff US-Amerikaner, jedoch in Cuba geboren – ihre Wurzeln im Herzen der Finanzbranche. Sie begann ihre Laufbahn bei der Investmentbank Bear Stearns, wo sie von 1985 bis 1986 Chefvolkswirtin war. Auch sie machte Station in verschiedenen Positionen beim IWF bevor sie zurück in die Wissenschaft wechselte. Heute ist Carmen M. Reinhart Professorin an der University of Maryland und leitet dort das Center for International Economics.

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  • dieses buch ist sicherlich lesenswert.ich habe zumindest bisher ralativ wenig Literatur und Abhandlungen gefunden über die Ursachen und Verläufe von Crashs. bis auf John Kenneth Galbraith haben sich nur wenige so ausführlich mit dem grossen crash von 1929 befasst."Die Vergangenheit zu kennen hilft, die Zukunft zu verstehen."

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