Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman
Paul Krugman - der verhinderte Psychohistoriker

Science-Fiction-Bücher haben den jungen Paul Krugman geprägt. Wie aus einem schüchternen Mittelstandskind einer der ungewöhnlichsten Ökonomen wurde. Ein Porträt über den Ökonomie-Nobelpreisträger des Jahres 2008 - ein Mann, der in keine Schublade passt

Manchmal hat er es einfach satt. Dieses abstrakte Reden, das Theoretisieren, das akademische Getue. An diesem Freitag Nachmittag Anfang Januar 2008 zum Beispiel, auf der Jahrestagung der „American Economic Association“ in New Orleans.

Fast zwei Stunden hat Paul Krugman schlecht gelaunt im fensterlosen, Großen Ballsaal des Hilton-Hotels gesessen. Mit Kollegen hat er über das Versagen der US-Regierung beim Hurrican „Katrina“ diskutiert.

Jetzt hat er genug. „Morgen nehm' ich mir ein paar Stunden frei von der Ökonomie“, verkündet er. „Ich fahre raus ins Lower Ninth Ward.“ Das ist das Stadtviertel, das am meisten unter „Katrina“ gelitten hat. „Wenn Sie Lust haben, kommen Sie doch mit“, fordert er die Zuhörer auf.

So ist er, der Ökonomie-Nobelpreisträger des Jahres 2008. Niemand nur für den Elfenbeinturm. Ein Mann, der theoretische Modelle entwickelt hat, über deren Einfachheit Kollegen schwärmen geraten – und der Kolumnen schreibt, deren analytische Schärfe ihres Gleichen suchen. Jemand, der es genießt, Teil des Establishments in der Wirtschaftswissenschaft – und gleichzeitig seit Jahrzehnten das Fach wegen seiner Engstirnigkeit kritisiert. Ein Mann, der in heftigen Tiraden den übermäßigen Glauben an die Freie Märkte kritisiert – und gleichzeitig ein überzeugter Anhänger der Marktwirtschaft ist. Ein cholerischer Querkopf – mit einem ausgeprägten Hang zur Selbstironie.

Einer, der in keine Schublade passt. Wer ist der Ökonomie-Nobelpreisträger des Jahres 2008 – und wie wurde er der, der er ist?

Über Krugmans Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt. 1953 wurde er geboren, aufgewachsen ist er auf Long Island, in einem Vorort von New York. Seine Eltern waren einfache Leute, die es zu bescheidenem Wohlstand gebracht hatte.

Eine Konstante gibt es in seinem Lebenslauf: Früh war Krugman ein politischer Mensch. Gegen Vietnam ging er auf die Straße, als Wahlhelfer demokratischen Politiker tingelte er Haustür zu Haustür.

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