Porträtserie "Jugend forscht"
FH-Betriebswirt, Soziologe - und Top-Ökonom

Der 38-jährige Frankfurter Professor Roman Inderst ist mit Abstand der forschungsstärkste deutsche Ökonom seiner Generation und bekommt von der EU demnächst 1,3 Millionen Euro für seine Arbeit. Zum Fach kam er erst nach einer längeren beruflichen Odyssee. Ein Porträt.

Typisch deutsch. Bei seinen Londoner Kollegen hatte Roman Inderst dieses Image weg. Und es war ganz sicher nicht als Lob gemeint. Immer klagend und ein bisschen rüde, ein echter Deutscher eben, so hätten ihn die anderen Wissenschaftler an der London School of Economics gesehen, erzählt Inderst. Was an dieser Beschreibung denn dran sei? „Na ja“, lacht er, „ich komme von einem bayrischen Dorf. Da ist man andere Umgangsformen gewohnt als in London.“

Tatsächlich hat Inderst sein bayerisches Naturell weniger gut kaschiert als seinen bayerischen Akzent. Der Mann ist geradeaus, direkt; einer, der seinem Gegenüber sofort sagt, was er denkt – egal, ob es sich um Lob oder Kritik handelt. Mit so einer Art eckt man mitunter an, bei Kollegen, in Berufungskommissionen, bei der Hochschulverwaltung.

Wenn sich das jemand erlauben kann, dann ist es Roman Inderst. Schließlich ist der 38-Jährige, der im Herbst 2006 von London an die Frankfurter Goethe-Universität wechselte, wissenschaftlich eine Ausnahmeerscheinung. Niemand sonst im deutschen Sprachraum hat in den vergangenen fünf Jahren so viel in international renommierten Fachzeitschriften publiziert wie Inderst. Fast 25 Prozent der gesamten Forschungsleistung der Frankfurter Volkswirte der vergangenen zehn Jahre entfallen auf ihn. Selbst die strengen Gutachter der neuen europäischen Exzellenzinitiative hat er jüngst überzeugt: Vom „European Research Council“ erhält Inderst 1,3 Millionen Euro für seine Forschung.

Mit diesem Geld will der Wissenschaftler ein Forschungszentrum zum Thema „Retail Finance“ aufbauen – dabei will er den Verkauf von Finanzprodukten an Privatkunden unter die Lupe nehmen. Nicht in erster Linie aus der Perspektive der Banken, sondern hauptsächlich aus volkswirtschaftlicher Sicht. Im Zentrum der Forschung soll die Finanzmarktaufsicht und der Verbraucherschutz stehen. Zum Beispiel will Inderst untersuchen, wie viel Transparenz im Vertrieb optimal ist.

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