Robert Shiller setzt weiter auf "structured finance"
Weg mit den Risiken

Die Subprime-Krise hat moderne Finanzprodukte in Verruf gebracht. Doch der US-Professor und Bestseller-Autor Robert Shiller will sie totzdem alltagstauglich machen - um damit Lebensrisiken aller Art besser handhaben zu können. Um seiner Idee zum Durchbruch zu verhelfen, hat Shiller sogar ein eigenes Unternehmen namens "MacroMarkets" gegrünent, das 2008 schwarze Zahlen schreiben soll
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Es war einmal ein Ökonomieprofessor, der feststellte, dass in der Volkswirtschaft eine wichtige Dienstleistung fehlt. Ein Service, der die Märkte effizienter, den Wohlstand größer, die Welt besser machen würde. Theoretisch hatte der Wissenschaftler das vor Jahren nachgewiesen, viele Aufsätze darüber publiziert und Bücher dazu geschrieben. Trotzdem geschah nichts. Der Professor wurde ungeduldig. So ungeduldig, dass er irgendwann selbst das Unternehmen gründete, um die fehlende Ware auf den Markt zu bringen.

Was klingt wie ein Märchen, ist eine wahre Geschichte. Der Professor ist Robert Shiller aus Yale, sein Unternehmen heißt MacroMarkets LLC. Seine Geschäftsidee ist der Handel mit ökonomischen Risiken aller Art, von der Arbeitslosigkeit über fallende Immobilienpreise bis hin zu gesamtwirtschaftlichen Rezessionen. Phänomene, die im Alltag von Millionen von Menschen eine erhebliche Rolle spielen – gegen die sie sich bislang nicht absichern können.

Shillers Ansinnen erscheint vor dem Hintergrund der derzeitigen Finanzmarkt-Krise reichlich verwegen: Er will die Instrumente, die die Finanzindustrie zum Umgang mit Risiken entwickelt hat – und die vielen Banken derzeit um die Ohren fliegen – auf alle möglichen anderen Bereiche des Lebens anwenden. Die Kernidee ist: Möglichst viele Einzelrisiken werden gebündelt, gemischt und in kleinen Tranchen an diejenigen weitergereicht, die sie am besten tragen können. Bei Hypothekenkrediten ist das lange Usus. Denn durch die Mischung der Risiken merkt man einzelne Kreditnehmer, die pleitegehen, nicht. Finanzmarkt-Profis sprechen vom „slicing of risks“, vom Kleinhäckseln der Risiken.

Im Zuge der aktuellen Finanzkrise sind diese strukturierten Finanzprodukte ziemlich in Verruf gekommen: Die Krise auf dem US-Immobilienmarkt hat auch deshalb so weitreichende Folgen, weil die Banken Kredite so lange gestückelt und weiterverkauft hatten, bis keiner mehr die Risiken einschätzen konnte und zu viele Risiken eingegangen wurden.

Eine bedauerliche Fehlentwicklung, findet Shiller. Ein grundsätzliches Argument gegen professionelles Risikomanagement sieht er darin aber nicht: „Man schafft ja auch nicht den Autoverkehr ab, weil es einige Raser gibt.“ Seine Lehre aus der Krise: Riskante Hypothekenkredite sollten eine Versicherung gegen einen möglichen Wertverlust des Eigentums enthalten, vielleicht auch gegen eine Änderung relevanter makroökonomischer Daten.

Am Kern der Sache aber würden die aktuellen Verwerfungen nichts ändern: Mit strukturierten Finanzprodukten und anderen Instrumenten wie Swaps und Optionen ließen sich wirtschaftliche Risiken weit besser in den Griff bekommen.

Es sei falsch, diese Instrumente an den Finanzmärkten nur für den Umgang mit unternehmerischen Risiken zu nutzen. „Die Unternehmensgewinne machen nur rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung aus“, betont Shiller. „Das bedeutet, dass rund 90 Prozent des Einkommens einer durchschnittlichen Person der Unsicherheit ausgesetzt ist.“

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