Serie: Jugend forscht
Bildungsforscher ohne Dogmen

In der VWL findet ein Generationswechsel statt. Wir stellen die neuen Köpfe vor. Heute: der Müchener Bildungsökonom Ludger Wößmann, der sich auch in die öffentliche Debatte einschaltet.
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Wenn Ludger Wößmann an die Ergebnisse des nationalen Bildungsgipfels im Oktober unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel denkt, bewölkt sich die Stirn des 35-Jährigen. Dann weicht binnen Sekunden die Freundlichkeit aus seinem mit einem Vollbart verzierten Gesicht, und Falten verleihen seiner Erschütterung jenen Nachdruck, mit dem der Münchener Bildungsökonom nun schon seit einiger Zeit versucht, sozusagen als freier Radikaler die Debatte über bessere Bildung in diesem Land immer wieder neu zu befeuern. Als Professor an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität und Abteilungsleiter am renommierten Ifo-Institut muss er auf parteipolitische Befindlichkeiten keinerlei Rücksicht nehmen. Und das tut er auch nicht.

Der mit großem Getöse angekündigte Schulgipfel, der der Bundesrepublik den Weg in die Bildungsrepublik weisen sollte, liegt da gerade eine Woche zurück, und Wößmann findet kraftvolle Worte, was er von den Ergebnissen hält: „Die Diskussion dort hat gezeigt, dass jegliches Verständnis fehlt. Es ging ganz offensichtlich nur darum, showmäßig mehr Geld bereitzustellen, um dem Wähler zu signalisieren: ,Seht her, wir tun was'.“ Konzeptionelle Fragen seien kaum angesprochen worden. Dabei sei nur mit einer Neuausrichtung der Bildungspolitik nachhaltig etwas zu erreichen.

Dass es lediglich an Geld fehlt im deutschen Bildungssystem und die eine oder andere Million automatisch die miesen Pisa-Ergebnisse und die sozialen Ungleichgewichte an den Schulen und Universitäten verschwinden lassen würde, mit dieser in der Berliner Republik weitverbreiteten Meinung hat Wößmann in seinem 2007 erschienenen Buch („Letzte Chance für gute Schulen“, Zabert Sandmann Verlag) über die zwölf großen Bildungsirrtümer aufgeräumt.

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