Sponsoring
Hörsäle werden zu Werbeflächen

Im Fußball ist es schon alltäglich, Stadien nach ihren Finanziers zu benennen. An Universitäten bilden solche Namensgebungen noch eher die Ausnahme. Doch die Wirtschaft hat im Sponsoring an Hochschulen ein neues Feld für die Werbung entdeckt. Die Reaktionen sind unterschiedlich.

KÖLN. Der Hörsaal H5 der Universität Erlangen-Nürnberg ist kaum wiederzuerkennen: Die klapprigen, unbequemen Stühle und Tische wurden ausgetauscht. Nagelneue Licht- und Mikrofonanlagen sorgen für eine lernfreundliche Atmosphäre – und ein teurer Beamer wirft Powerpoint-Präsentationen gestochen scharf an die Wand.

Geändert hat sich auch der Name des Hörsaals: Statt „H5“ prangt neben der Tür nun ein Schild, auf dem ein blaues Logo prangt: „easyCredit“. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Kreditangebot der Nürnberger Teambank AG. Das Geldinstitut hat den Umbau des Hörsaals mit einer Spende von 130 000 Euro finanziert. Zehn Jahre lang wird der Raum dafür „easyCredit“-Hörsaal heißen.

In Zeiten knapper Hochschulkassen nutzen Unternehmen zunehmend die Chance, ihren Namen und manchmal auch ihr Firmenlogo gegen Geld in die Infrastruktur der Universitäten zu bringen: In Frankfurt hält der T-Mobile-Stiftungsprofessor Vorlesungen über Mobile Commerce. An der Essener Ruhr Graduate School in Economics gibt es unter anderem Signal-Iduna-Stipendiaten, Krupp- und National-Bank-Stipendiaten. An der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt wurde im vergangenen Oktober der Aldi-Süd-Hörsaal eingeweiht. Und vor dem „easyCredit“-Hörsaal gab es in Erlangen-Nürnberg schon den „GfK“-Hörsaal, benannt nach der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung.

Besonders gerne fördern die Unternehmen die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten. An der Uni Erlangen-Nürnberg sind alle vier gesponserten Hörsäle bei den Ökonomen zu finden. In Mannheim gehören elf der 21 umbenannten Hörsäle zur betriebswirtschaftlichen Fakultät. Die Sponsoren erhoffen sich durch das Sponsoring bei den Ökonomen nicht nur einen Imagegewinn, sondern bessere Chancen beim Anlocken besonders umworbener Arbeitskräfte.

„Es ist wesentlich schwieriger, Sponsoren für die geisteswissenschaftlichen Bereiche zu finden. Die Lernbedingungen angehender Betriebswirte zu fördern ist für viele Firmen deutlich attraktiver“, sagt dazu ein Sprecher der Universität Mannheim. Deshalb gehen die Geisteswissenschaftler zur Vorlesung in den „Bürger-Hörsaal“, der von Spenden aus der Bevölkerung finanziert wurde, und in den Hörsaal des Absolventenvereins.

In der Fußball-Bundesliga werden die Namensrechte an den Stadien schon seit einigen Jahren an Sponsoren verkauft. Deutsche Universitäten dagegen stehen bei dieser Entwicklung erst am Anfang. Deshalb sind die Grenzen dieser Firmenpräsenz – zur Freude der Spender – in den Hochschulen noch nicht immer klar definiert. Während manche Universitäten schon eindeutige Regeln aufgestellt haben, müssen andere noch daran arbeiten.

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