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Studie: Gebremster IFRS-Enthusiasmus der Unternehmen

Aus dem Kreis der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind kritische Stimmen zur Umstellung auf die ...

Aus dem Kreis der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind kritische Stimmen zur Umstellung auf die internationalen Bilanznonnen IFRS zu hören, dies meldet die Börsen-Zeitung am 17.6.2005. Nach Einschätzung von Ernst & Young schränken die subjektiven Modelle zur Ermittlung von theoretischen Marktwerten (Fair Values) die Glaubwürdigkeit der Zahlen immens ein. Eine Studie von Mazars bei europäischen IFRS-Bilanzierern brachte das Ergebnis, dass bei den Anwendern wenig Euphorie herrscht.
Unter der Überschrift "How fair is Fair Value?" verweist Ernst & Young auf Verlässlichkeitsprobleme im Zusammenhang mit dem Zeitwertansatz der IFRS. In dem Regelwerk werde keine Sorge dafür getragen, dass subjektive Bewertungsmodelle nach außen transparent würden, heißt es in einer Analyse der Prüfungsgesellschaft. Der Begriff Fair Value für Vermögensposten und Verbindlichkeiten impliziere liquide Märkte mit unabhängigen Handelspartnern. Könnten die Zeitwerte für den Bilanzansatz jedoch nicht aus realen Märkten abgeleitet werden, kämen subjektive Bewertungsmodelle zum Tragen, die aus Sicht von Ernst & Young erhebliche Risiken bergen. Es sei höchst fraglich, ob diese subjektiv errechneten Fair Values vergleichbar, nachvollziehbar und glaubwürdig seien. An die Adresse des IFRS-Standardsetzers IASB richten die Wirtschaftsprüfer die Forderung, dafür Sorge zu tragen, dass die Implikationen der vom Unternehmen verwendeten mathematischen Modelle erläutert würden.
Ernst & Young schlägt dem IASB vor, die Fair-Value-Ansätze in der Bilanz auf solche Positionen zu beschränken, für die echte Marktwerte vorlägen. In allen anderen Fällen würde es genügen, theoretische Zeitwerte nur im Anhang anzugeben und dabei zu analysieren, in welchen Intervallen die Bewertungen schwanken, falls die Parameter verändert würden. Damit ergäbe sich für den externen Bilanzleser ein aussagekräftigeres Rechenwerk.
Das IASB legt aus Sicht von Ernst & Young bisher zu starkes Gewicht auf die Notwendigkeit von Informationen und misst dem Thema Glaubwürdigkeit der Angaben zu wenig Bedeutung bei. Vor allem werde die Einschränkung der Glaubwürdigkeit etwa durch theoretische Bewertungsmodelle dem externen Nutzer zu wenig transparent gemacht. Die Investoren benötigten jedoch eine eindeutige Unterscheidung zwischen subjektiven und objektiven Daten. Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars sind die europäischen Unternehmen selbst noch skeptisch, ob IFRS die Transparenz und Vergleichbarkeit verbessere. Eine Umfrage unter 556 börsennotierten Gesellschaften habe ergeben, dass weniger als die Hälfte der Meinung sei, dass die Transparenz der Abschlüsse steige. Gleichwohl sähen die Unternehmen in der Übernahme der amerikanischen Normen US-GAAP oder eigenen europäischen Regeln keine Alternative.
Auch bedeutet die Skepsis nicht, dass die Firmen lieber an ihr in jeweiligen nationalen Standards festhalten möchten. Deutschland ist laut Mazars das Land, das am ehesten bei den eigenen HGB-Vorschriften bleiben möchte - die Hälfte der Befragten habe sich dafür ausgesprochen. Allerdings zählt Deutschland zu den Ländern, bei denen ein großer Teil der Konzerne bereits auf IFRS umgestellt hat, sodass die Akzeptanz groß ist. Zur Führungsgruppe gehören auch die Niederlande und Spanien. Frankreich und Großbritannien lägen dagegen noch zurück.
Defizite ermittelte die Studie in der branchenspezifischen Anwendung der internationalen Bilanzstandards. So glaube die Hälfte der befragten europäischen Firmen, dass die IFRS-Normen für ihren Sektor nicht zuträfen, und 60% wünschten sich branchenspezifische Interpretationen. Damit mangelt es aus Sicht von Mazars an Hilfen zur praktischen Umsetzung der IFRS.
Die Umstellung auf IFRS verläuft nach den Ergebnissen der Analyse dennoch weitgehend reibungslos. Drei Viertel der Konzerne hätten ihre Eröffnungsbilanz vorbereitet, und zwei Drittel hätten eine Simulation ihres Abschlusses für 2004 nach den neuen Regeln durchgeführt. In der Bilanz sind Finanzinstrumente laut Umfrage in allen europäischen Ländern am stärksten von der Umstellung betroffen, gefolgt vom Anlagevermögen, Renten und Pensionen sowie Stock Options.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 23.06.2005

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