Universität Mannheim reagiert auf steigenden Hochschul-Wettbewerb
Vorfahrt für Wirtschaft

Die Uni Mannheim will sich voll auf Ökonomie konzentrieren – zu Lasten der Geisteswissenschaft.

„Fight for Phil“, hat jemand mit Kreide an die Mauer des altehrwürdigen Mannheimer Stadtschlosses geschrieben, des Hauptgebäudes der Universität. Übersetzt aus dem Studentendeutsch heißt das so viel wie:„Kämpft für die Philosophische Fakultät.“ Hintergrund dieser Aufforderung: Die Uni-Leitung plant einen radikalen Umbau der Hochschule. Sie will die Philosophische Fakultät auflösen, einen Teil der Professoren-Stellen den Ökonomen zuschlagen und den Rest eng an die Wirtschafts- und Sozialwissenschaft ankoppeln. „Wir können im Hochschul-Wettbewerb auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn wir uns stärker auf unsere Kernkompetenz fokussieren“, sagt Rektor Hans-Wolfgang Arndt.

Traditionelle Stärke der Uni ist die Ökonomie. In vielen Ranglisten –auch denen des Handelsblatts –liegt Mannheim bei VWL und BWLauf vorderen Plätzen. Bei der Exzellenzinitiative erhielt die Uni grünes Licht für eine Ökonomie-Graduiertenschule.

Mit den besten Ökonomie-Fakultäten der Welt können bislang aber weder Mannheim noch andere deutsche Top-Adressen mithalten. In einem 2003 erschienenen Ranking liegt Bonn in der VWL als deutsche Nummer eins weltweit auf Platz 87, Mannheim auf Platz 119. Das Mannheimer Rektorat will die Uni in fünf Jahren in die Nähe der Top 30 führen. Dafür soll die akademische Selbstverwaltung reformiert werden, die die Forscher lähmt. Als bundesweiter Pionier will die Uni vier hauptamtliche Dekane einstellen – um Wissenschaftler von Verwaltungsarbeit zu entlasten.

Ein weiterer Wettbewerbsnachteil der deutschen Hochschulen ist die mangelnde kritische Masse der Fachbereiche. „Selbst unsere Fakultät ist im Grunde zu klein“, sagt Klaus M. Schmidt aus München, der in einer der größten VWL-Abteilungen arbeitet. Die aktuellen Mannheimer Umbau-Pläne sind bereits der zweite Versuch, vor Ort Abhilfe zu schaffen. Zunächst sollten 13 Ökonomen der Uni Heidelberg gegen Informatiker und Mathematiker aus Mannheim getauscht werden. Der Plan scheiterte im vergangenen Jahr aber am Widerstand Heidelbergs.

Die Mannheimer geben nicht auf – angetrieben von der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern, die die stärkere Spezialisierung der Unis fordert. Mannheim bewirbt sich in der zweiten Runde um einen Forschungscluster, für den es pro Jahr 6,5 Mill. Euro gibt. „Mein Eindruck ist: Gute Chancen in der Exzellenzinitiative hat, wer schon länger zwischen guten und weniger guten Fachbereichen unterscheidet“, sagt Urs Schweizer von der Uni Bonn, die in der ersten Runde der Exzellenzinitiative für zwei Projekte grünes Licht bekam.

Die Profilbildung stellt die Hochschulen jedoch vor ein Dilemma – mehr Geld gibt es nämlich nicht. „Zusätzliche Stellen, mit denen wir unsere Kernkompetenz stärken, können wir uns nur aus dem eigenen Fleisch schneiden“, sagt Arndt. Das sei schmerzlich, aber unumgänglich. „Ohne weitere Konzentration auf ihre Kernkompetenzen“ laufe die Uni „mittelfristig Gefahr, in die Gruppe vorrangig regional ausgerichteter Universitäten herkömmlichen Typs abzusteigen“, heißt es in einem Strategiepapier des Rektorats.

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