VWL-Studium
Der Letzte macht das Licht aus

Zu viel dröge Theorie, neue Konkurrenz durch andere Fächer, Studiengebühren und Einschränkung der Studienplätze - der scheinbar unaufhaltsame Rückgang der Studentenzahlen im Fach VWL ist überwiegend hausgemacht. Dafür sind die BWL-Vorlesungen brechend voll.

HAMBURG. Womit sich Betriebswirte so beschäftigen, hat der Professor schnell erklärt: Würden die Leute mehr Nivea-Creme kaufen, wenn die Dose grün wäre? In welcher Reihenfolge muss ich ein Schiff entladen, damit die Container schnell auf die LKWs kommen? Und wie kann ich vorhersagen, wie viele Leute den Kinofilm sehen werden, den ich vermarkte? Das Interesse der angehenden Abiturienten, die der Info-Veranstaltung in der Hamburger Uni lauschen, ist schnell geweckt.

Bei der VWL-Werbevorlesung scheitert die Professorin dagegen kläglich an der Aufgabe, den Schülern in einfachen Worten zu erklären, worum es in ihrem Fach geht. Haupterkenntnisgegenstand der Wissenschaft seien das Wesen und die Ursachen des Wohlstandes, doziert sie. Dann prasseln viele Fachbegriffe auf die Schüler nieder, jede Menge abstrakte Definitionen. Nach nur zehn Minuten Vortrag folgt die erste mathematische Formel. Viel werden die Schüler hinterher nicht verstanden haben von dem Kauderwelsch.

Bei solch trockenen Info-Veranstaltungen verwundert es kaum, dass die Zahl der VWL-Studenten in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen ist: Waren es Ende 2003 fast 29 000, so lag die Zahl drei Jahre später nur noch bei 23 500.

Neuere Daten gibt es nur für einzelne Bundesländer, doch der Sinkflug geht weiter - auch im jetzt beginnenden Wintersemester haben sich an vielen Universitäten abermals weniger Studenten für VWL eingeschrieben. In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel ist die Studentenzahl zwischen 2003 und heute um ein ganzes Drittel eingebrochen. Beim großen Bruder BWL sieht das anders aus: Die Zahl der Studenten in betriebswirtschaftlichen Studiengängen stieg seit 2003 kontinuierlich.

Die Professoren in Deutschland tun wenig, um das Image der VWL als ödes Schwarzbrot-Fach aufzubessern. "Das Studium ist viel zu theorielastig geworden", sagt Thomas Lenk, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Leipzig. Dabei würden Arbeitgeber wie Ministerien und Rechnungshöfe gar nicht wollen, dass Absolventen alle Theorien auswendig könnten, so Lenk. "Sie wünschen sich Bewerber, die wissen, wie der Föderalstaat und das Steuersystem wirklich funktionieren." Seitdem viele Bundesländer von ihren Studenten Geld für den Hochschulbesuch verlangen, lassen sich das immer weniger junge Menschen gefallen.

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