„Warwick Commission“
Wenn die Banken selbst die Fäden ziehen

Das Wachstum des Finanzsektors sollte nach Ansicht hochkarätiger internationaler Ökonomen und Politikwissenschaftler durch eine internationale Transaktionssteuer begrenzt werden. So lautet die zentrale Forderung der nach der gleichnamigen britischen Universität benannten "Warwick Commission", deren Abschlussbericht dem Handelsblatt vorliegt.
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FRANKFURT. Eine mit hochkarätigen internationalen Wissenschaftlern besetzte Kommission fordert, das Wachstum des Finanzsektors mit einer internationalen Transaktionssteuer zu begrenzen.

Außerdem fordert die nach der gleichnamigen britischen Universität benannte Warwick Commission eine grundlegende Umstellung der Bankenregulierung auf den sogenannten Gastlandansatz. Auch das ist ein heißes Eisen, denn eine solche Umstellung würde tendenziell das grenzüberschreitende Finanzgeschäft behindern und den Regierungen protektionistische Maßnahmen erleichtern.

Dass der Chef der britischen Finanzaufsicht Adair Turner und der kanadische Notenbankpräsident Mark Carney die Vorworte schrieben, zeigt, wie ernst die Arbeit der Kommission in den Kreisen der Regulierer genommen wird. Auf dem G20-Treffen in Schottland am 9. November hatte sich der britische Premierminister Gordon Brown für die Forderung nach einer Transaktionssteuer, der sogenannten Tobin-Steuer, starkgemacht und war damit auf Widerstand der USA gestoßen.

Der Abschlussbericht der Kommission, der ab morgen offiziell in Neu-Delhi, London und New York vorgestellt wird, liegt dem Handelsblatt vor. Vorsitzender der Kommission ist Avinash Persaud, Chef des Finanz- und Wirtschaftsberatungsunternehmens Intelligence Capital. Persaud ist ein langjähriger Kritiker der inzwischen in Ungnade gefallenen Kapitalunterlegungsregeln Basel II, mit denen die internationalen Regulierer das Finanzsystem eigentlich hatten krisenfest machen wollen.

Ironischerweise gewann Persaud vor neun Jahren einen Essay-Wettbewerb des Institute of International Finance, einer internationalen Großbankenvereinigung. Darin hatte er unter dem Titel "Sending the herd off the cliff edge (Wie man die Herde über die Klippe treibt)" die Gefährlichkeit eines Kernstücks des bisher verfolgten Regulierungsansatzes angeprangert.

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  • ...und immer noch keine Erwähnung der deutschen Kampagne für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, obwohl unsere Online-Petition bereits 20 000 Mit-Zeichner hat und damit schon jetzt zu den erfolgreichsten Online-Petitionen seit Einführung des VErfahrens gilt...

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