Wirbel um Chefposten
Russland schlägt neuen IWF-Kandidaten vor

Russland hat überraschend mit dem ehemaligen tschechischen Zentralbanker Josef Tosovsky einen eigenen Kandidaten für den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) ins Spiel gebracht. Der 56-Jährige Wirtschaftswissenschaftler sei „die richtige Person am richtigen Ort zur richtigen Zeit“.
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HB PARIS. Die Nominierung Tosovskys spiegelt die wachsende Kritik der Schwellenländer an der traditionellen Vergabe des Chefpostens an einen Europäer wider. So seien die größten Schwellenländer Russland, Brasilien, Indien und China für eine Wahl des neuen Chefs unter mehreren Kandidaten, sagte Russlands Finanzminister Alexej Kudrin.

Die EU-Finanzminister hatten sich bereits im Juli auf die Nominierung des früheren französischen Finanzministers Dominique Strauss-Kahn geeinigt und stehen auch weiterhin hinter dieser Entscheidung. Auch die tschechische Regierung unterstützt nach den Worten des stellvertretenden Ministerpräsidenten Alexandr Vondra Strauss-Kahn und nicht den Ex-Ministerpräsident Tosovsky. China habe dem EU-Kandidaten ebenfalls Rückendeckung gegeben, hieß es in einer Erklärung Strauss-Kahns, der sich zur Zeit in Peking aufhält. Eine Wahl Strauss-Kahns gilt damit unter Beobachtern als höchst wahrscheinlich.

Welche Staaten sich explizit hinter den russischen Kandidaten gestellt hätten, ließ Russland offen. Es sei jedoch „nichts schlimmes“, dass die tschechische Regierung Tosovsky nicht unterstütze, sagte Kudrin. Die Nominierung des eigenen Kandidaten ziele zudem nicht gegen Strauss-Kahn, sagte ein Regierungssprecher. Tosovsky sei allein aus fachlichen Gründen gewählt worden.

Tosovsky nahm nach Auskunft seines Büros die Nominierung an. Weitere Informationen lehnte ein Sprecher ab. Der Tscheche führte die tschechische Zentralbank von 1990 bis 2000 und gilt als enger Vertrauter des ehemaligen Präsidenten Vaclav Havel, der ihn während einer politischen Krise zum Chef einer Übergangsregierung ernannt hatte. Er leitet derzeit das Institut für Finanzstabilität der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Die 185 Mitgliedstaaten des IWF können bis Ende kommender Woche ihre Vorschläge für die Nachfolge von Rodrigo Rato einreichen, der im Oktober zurücktritt. Zuletzt wurde auch in Kreisen des IWF-Führungsgremiums darüber spekuliert, dass die südamerikanischen Staaten einen eigenen Kandidaten aufstellen könnten.

Die Vergabe des Postens an einen Europäer ist nicht in den Statuten der Institution geregelt, sondern beruht auf einer Vereinbarung, wonach im Gegenzug der Chefposten der Schwesterorganisation Weltbank an einen US-Amerikaner geht. Der IWF hatte sich selbst jedoch vor einigen Wochen für die Zeit nach der Amtsperiode Strauss-Kahns offen für Kandidaten aus anderen Regionen gezeigt.

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