Wirtschaftspolitik
G8: Ende der expansiven Geldpolitik?

Wann beenden die Industriestaaten ihre expansive Finanz- und Geldpolitik? Vor dem Treffen der Finanzminister der wichtigsten Industrienationen fordern einige Teilnehmer schon eine Exit-Strategie, darunter Finanzminister Steinbrück. Der SPD-Mann warnt nachdrücklich vor Inflationsgefahren.
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LECCE. Beim Finanzministertreffen der G8 im italienischen Lecce zeichnen sich Diskussionen über die Rückkehr zur Konsolidierungspolitik nach der Krise und über Stress-Tests für Banken ab. Kanadas Finanzminister Jim Flaherty sagte am Freitag kurz vor Konferenzbeginn: "Es ist realistisch, damit anzufangen, über die Exit-Strategie zu sprechen". Auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück plädierte nachdrücklich für eine solche Debatte. Er räumte aber auf die Frage nach Partnern dafür im G8-Kreis ein: "Schwer". Erneut warnte der Minister angesichts der expansiven Finanz- und Geldpolitik zur Krisenbekämpfung vor Inflationsgefahren auf längere Sicht. Flaherty forderte die Europäer zudem zu Stress-Tests für ihre Banken auf. Nur so lasse sich Vertrauen zurückgewinnen.

Die Finanzminister der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G8) nahmen am Abend in Lecce ihre zweitägigen Beratungen auf. Sie dienen vor allem der Vorbereitung des G8-Gipfels der Staats- und Regierungschefs in knapp einem Monat. Ein wesentlicher Punkt dabei wird die Analyse der aktuellen weltwirtschaftlichen Lage darstellen. Flaherty sprach von vorsichtigen Anzeichen einer Besserung. Die Weltwirtschaft könnte sich Ende des Jahres stabilisieren, im nächsten Jahr könnte dann einer Erholung folgen. Angesichts dessen sollte man die Debatte über die Zeit nach der Krise, über die Rückkehr zur Stabilitätspolitik, beginnen. Etliche G8-Länder halten diese Diskussion allerdings derzeit noch für verfrüht.

Steinbrück gab sich zurückhaltend zu den Aussichten, die Exit-Strategie bereits jetzt im G8-Kreis zum Top-Thema zu machen. Es komme darauf an, im Euro-Raum die Kräfte zu unterstützen, die davor warnten, den Stabilitätspakt zu "untertunneln", sagte er. Und ansonsten gehe es darum, zu verhindern, dass die Fehler wiederholt werden, die in die jetzige Krise geführt hätten, nämlich ein Überangebot an Liquidität und eine Politik des billigen Geldes.

Flaherty warb nachdrücklich für Stress-Tests der Banken bei den anderen G8-Partnern, namentlich den europäischen, nach nordamerikanischem Vorbild. Die Finanzmärkte beruhten auf Vertrauen und die Stress-Tests trügen entscheidend dazu bei, diese Vertrauen wiederherzustellen. Die Ergebnisse sollten zumindest teilweise veröffentlicht werden. Die Europäer wollen inzwischen zwar Belastungstest für ihre Banken vornehmen lassen, sehen die Veröffentlichung der Ergebnisse aber skeptisch.

Märkte warten auf Signale

Die Zentralbank-Chefs nehmen an dem Treffen nicht teil. Daher steht die Entwicklung der Währungsparitäten mit dem aktuell schwachen Dollar formal nicht auf der Agenda in Lecce. Dennoch erhoffen sich die Akteure an den Finanzmärkten Signale von den Ministern in dieser Frage oder auch in Hinblick auf die Zinsentwicklung und den Ölpreis.

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