Wirtschaftswissenschaften
Der hohe Preis der Arbeitslosigkeit

Studien belegen: Der Jobverlust hat für die Betroffenen härtere Konsequenzen als angenommen. Wer entlassen wird, der spürt dies noch 15 Jahre später im Portemonnaie.
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DüsseldorfDie Vorbereitungen im Arbeitsministerium laufen auf Hochtouren: Rutscht die Republik im neuen Jahr in eine Rezession, sei man bereit, mit einem milliardenschweren Programm gegenzusteuern, ließ Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kurz vor Weihnachten wissen. So wie 2009 könne die Politik der schwächelnden Wirtschaft mit großzügigen Kurzarbeiterregelungen zur Seite springen.

Ein Krisenszenario, das bald Realität werden könnte. Denn so optimistisch Deutschlands Unternehmer dem neuen Jahr auch entgegenblicken – sollte die Euro-Krise eskalieren, wird das auch auf die deutsche Wirtschaft durchschlagen.

Steigt in der Rezession die Arbeitslosigkeit, hat das für die Betroffenen schwerwiegendere Folgen als bislang angenommen: Wer in einer Wirtschaftskrise seinen Job verliert, muss über Jahrzehnte mit empfindlichen Gehaltseinbußen rechnen, haben Arbeitsmarktforscher jetzt herausgefunden. Besonders besorgniserregend: Die finanziellen Verluste sind nur ein Teil des Übels – Beschäftigungslosigkeit kann krank machen und sogar das Leben kosten.

Einer der profiliertesten Ökonomen, der die Kosten des Arbeitsplatzverlustes untersucht, ist Till von Wachter, deutscher Forscher an der New Yorker Columbia University. Mit einem riesigen Datensatz der deutschen Arbeitsbehörden hat von Wachter gemeinsam mit den Forschern Johannes Schmieder (Boston University) und Stefan Bender (Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, Nürnberg) deutsche Erwerbsbiografien seit den frühen 80er-Jahren analysiert.

Langjährige Beschäftigte, die von einer Massenentlassung betroffen sind, müssen immense Einkommenseinbußen hinnehmen. In den Jahren unmittelbar nach ihrer Entlassung verdienen sie fast ein Drittel weniger als ihre nicht entlassenen Ex-Kollegen. Und selbst 15 Jahre nach der Kündigung liegt ihr Jahreseinkommen im Schnitt zehn bis 15 Prozent unter dem der ehemaligen Kollegen.

In einer vergleichbaren Studie mit Daten der amerikanischen Sozialversicherungsbehörde stieß von Wachter auf Lohneinbußen in ähnlicher Größenordnung.

Kommentare zu " Wirtschaftswissenschaften: Der hohe Preis der Arbeitslosigkeit"

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  • @Anonym 17:14

    Wenn da Jemand gefährlich für die deutsche Arbeitswelt wird, ist es nur gut.
    Die deutsche Arbeitswelt ist gefährlich genug - dazu arrogant, menchenverachtend und faschistisch.
    Was mit der deutschen Wirtschaftsleistung passiert? Es wäre ein SEGEN für Europa, wenn sie sich ins negative dreht. Insofern hoffe ich, dass sich viele Arbeitnehmer zu fein sein werden, für deutsche Arbeitgeber zu arbeiten.
    Hartz4 vor - noch ein Tor -- möchte man sagen!

  • @Stopmal: Von wem möchten Sie denn bezahlt werden, wenn immer mehr Leute so denken, wie Sie?
    Natürlich ist es angenehmer, zuhause zu sitzen und sich das Geld von der "Arbeitergesellschaft" bezahlen zu lassen. Leuten wie Ihnen, sollte der Anspruch auf H4 gestrichen werden!
    Was meinen Sie denn, was mit der Deutschen Wirtschaftsleistung passiert, wenn jeder so denkt, wie Sie und sich zu fein ist, ein wenig arbeiten zu gehen?


    Und dass dann noch Ihr Neid auf das Einkommen des Chefs dazu kommt, ist ja die Krönung! Wahrscheinlich meinen Sie auch noch, nur weil Sie 2,5 Jahre während eines Aufschwungs gearbeitet haben, steht auch Ihnen ein Luxusautos zu!? Lächerlich UND gefährlich für die Deutsche Arbeitswelt!

  • Es ist noch schlimmer.
    Die deutschen Arbeitnehmerlöhne werden nur deswegen immer weiter nach unten gedrückt, damit das EU-Ausland bei uns die Produkte über die von uns Steuerzahlern selbst finanzierten Kredite (Außenhandelsüberschuss) kaufen kann.
    Schlüpft ein EU-Land dann unter >UNSEREN< Rettungsschirm, weil es aufgrund zu hoher Löhne im eigenen Land nicht mehr mithalten kann, kommen der Hosenanzug und der Roll-Kobold und fordern als Gegenleistung die Löhne in dem EU-Land durch "Sparen" herunter zu wirtschaften.
    Unten angelangt, ist das Land platt.
    Nun geht Deutschland erneut hin und nimmt den deutschen Arbeitnehmern und Steuerzahlern wieder die Zuwächse bei den Nettolöhnen weg. Und wieder muss das EU-Land, das gerettet werden "will" weiter sparen.
    Die Schraube geht folglich immer weiter nach unten und so fort.
    Am Ende ist das gesamte Volksvermögen verjubelt. Das haben dann die Bangster, die mit diesen Hochverrätern in der Politik dieses feine Spielchen gegen die europäischen Völker ausgearbeitet haben.
    Es kommt schließlich der Tag, an dem Deutschland als der Schuldige ausgemacht wird.
    Nur leider vergisst man, man hat den Deutschen zuvor die Mitbestimmung geraubt! Wir sind längst vollkommen entmündigt! Eine Opposition gibt es nicht und DAS wird von diesem verschlafenen deutschen Volk auch noch immer nicht erkannt!
    Das ist langsam ein Skandal, den wir uns selbst leisten!

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