Wissenswert
Telenovelas sind wie Verhütungsmittel

Kuriose Studie: Fernsehserien sind offenbar mit für den Rückgang der Geburtenraten in Brasilien verantwortlich. In den sehr beliebten Seifenopern werden nämlich häufig kinderlose Heldinnen gezeigt.
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KölnDie Zeiten der Großfamilie sind lange vorbei, nicht nur in Europa: Auch in ehemals kinderreichen Regionen wie Südamerika sind die Geburtenraten in den vergangenen Jahrzehnten regelrecht eingebrochen. In Brasilien bekamen Frauen 1960 im Durchschnitt mehr als sechs Kinder - im Jahr 2000 nur noch zwei.

Ein Grund dafür ist die Verbreitung des Fernsehens, behauptet die Ökonomin Eliana La Ferrara von der Bocconi Universität Mailand in einer Studie, die demnächst im „American Economic Journal“ erscheint. Zusammen mit zwei Kollegen hat sie die Auswirkungen von TV-Sendungen auf Wertvorstellungen und Verhaltensmuster untersucht.

Die Forscher konnten auf Daten des größten brasilianischen Fernsehsenders Rede Globo und detaillierte Umfragen unter der Bevölkerung zugreifen und damit nachzeichnen, wie sich das Leben der Brasilianer durch das Fernsehen verändert hat.

Weil Rede Globo nach und nach neue Kabel-Verteilerstationen gebaut hat, konnten die Forscher für mehrere Städte die Ergebnisse der Zensusumfrage aus der Zeit ohne Fernsehen mit der nach Anschluss an das Kabelnetz vergleichen.

Ihr Ergebnis: Nachdem eine Region Zugang zur bunten Welt des Kabelfernsehens bekam, ist dort die Geburtenrate gesunken. Zwar dürften auch andere Faktoren für den Rückgang verantwortlich sein, etwa die verbesserte Schulbildung vieler Frauen und die Erfindung der Antibabypille. Doch in Städten mit TV-Empfang sanken die Kinderzahlen schneller als in Orten, die weiterhin vom Kabelnetz abgeschnitten waren.

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Zuschauerinnen passen sich an Lebensstil an

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  • Der Umkehrschluss wäre: Würde Deutschland nur noch verheiratete Menschen mit Kindern im Fernsehen bringen, steigt bei uns die Geburtenrate an! Da könnten wir uns ja das Betreuungsgeld schenken.
    Sehr geehrte Frau Schröder - sprechen Sie doch mal mit ARD und Co.

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