Wissenswert
Wolkenkratzer und Wirtschaftskrisen

Was hat der Bau von Wolkenkratzern mit Wirtschaftskrisen zu tun? Sehr viel, wie eine neue Studie zeigt. Denn wenn Bauherren Höhenrekorde brechen, sollten Börsianer ihre Köpfe einziehen. Nicht zum ersten Mal in der modernen Wirtschaftsgeschichte folgen auf visionäre Wolkenkratzer-Projekte tiefe Wirtschaftskrisen.
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LONDON. Als im Juni 2007 in Chicago die Bauarbeiten für den neuen Wolkenkratzer namens "Spire" begannen, war die Finanzwelt noch in Ordnung. 150 Stockwerke sollte das Riesengebäude des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava besitzen, mit 610 Metern der höchste Wolkenkratzer der USA werden.

Doch daraus wird vorerst nichts: Seit Herbst 2008 rührt sich auf der Baustelle im Zentrum Chicagos nichts mehr - die Weltwirtschaft fiel in die tiefste Rezession seit Jahrzehnten, und dem Hauptfinanzier des Projekts, der irischen Skandalbank Anglo Irish, ging das Geld aus.

Nicht zum ersten Mal in der modernen Wirtschaftsgeschichte folgen auf visionäre Wolkenkratzer-Projekte tiefe Wirtschaftskrisen. Nach dem ersten Spatenstich für das Singer Building in New York im Jahr 1906 folgte die "Panik von 1907" - Bankenpleiten und Kurseinbrüche stürzten die US-Wirtschaft in eine tiefe Rezession. Gut 20 Jahre später begannen erst die Arbeiten am Chrysler - und am Empire-State-Building, und dann kam die Große Depression. Und 1998 brach während des Baus des Petronas Towers in Kuala Lumpur die Asienkrise aus.

Alles nur Zufall? Nein, meint Gunter Löffler, Finanzprofessor an der Universität Ulm. Er hat den Zusammenhang zwischen dem Bau neuer Wolkenkratzer und der Entwicklung des Aktienmarktes empirisch untersucht - anhand amerikanischer Daten für die Jahre von 1871 bis 2009. In seiner Arbeit mit dem Titel "Tower Building and Stock Market Returns" konzentrierte sich Löffler dabei auf die Wolkenkratzer, die bei ihrer Eröffnung neue Höhen-Rekorde aufstellten.

Und er legte ein klares Muster offen: Nach dem Baubeginn eines Rekord-Hochhauses brachen in schöner Regelmäßigkeit die Renditen auf dem amerikanischen Aktienmarkt ein. Drei bis fünf Jahre nach dem ersten Spatenstich lagen sie um zehn Prozent unter dem Niveau der Jahre, in denen kein neuer Wolkenkratzer gebaut wurde.

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