Arbeitsmarkt
Warum die Finanzkrise für mehr Rentner sorgt

Arbeitnehmer werden wegen der Krise später in Rente gehen, lautet eine weitverbreitete These. Besonders hart – da sind sich die meisten Experten einig – wird es die älteren Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten treffen. Doch neueste Forschungen widerlegen dies.
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DÜSSELDORF. Eine Angst geht um in der Welt. Die Angst vor der Verarmung als Rentner. Seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Aktienmärkte drastisch eingebrochen; und auch die Preise von Immobilien – oft ein wichtiger Baustein in der Alterssicherung – sind in vielen Ländern in den Keller gerauscht.

Längst nicht nur Banken und Finanzmarktprofis bekommen das zu spüren – auch angehende Rentner sind davon betroffen. Besonders hart – da sind sich die meisten Forscher einig – wird es die älteren Arbeitnehmer in den Vereinigten Staaten treffen, die kurz vor der Rente stehen. In den USA spielen kapitalgedeckte Renten eine besonders große Rolle. Die Krise werde dazu führen, dass viele Amerikaner länger arbeiten müssen, lautet eine verbreitete These. Sie müssten weiter verdienen und sparen, bis sie genug Geld für den Ruhestand beiseitegelegt haben.

Die beiden amerikanischen Ökonomen Courtney Coile und Phillip B. Levine, die beide am Wellesley College in Massachusetts forschen, zweifeln an dieser These. „Viele übersehen den Einfluss des schwachen Arbeitsmarktes auf die Rentenentscheidung“, schreiben sie in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Studie.

Wenn ältere Arbeitnehmer nämlich infolge der aktuellen Krise überhaupt keinen Job mehr finden, werden möglicherweise doch mehr von ihnen früher in Rente gehen – wohl wissend, dass sie deutliche Abstriche bei ihren Alterseinkünften in Kauf nehmen müssen. Die beiden Forscher wollten anhand umfangreicher Daten von 1979 bis heute herausfinden, welcher der beiden Effekte größer ist.

Fakt ist: Im Frühjahr 2009 sind die Ausgaben für Renten in den USA deutlich gestiegen, zeigt die offizielle Sozialstatistik. Danach haben zehn Prozent mehr Arbeitnehmer ihre Rente eingereicht als in den Vorjahren.

Um aber die Größe der einzelnen Effekte zu ermitteln, haben die Forscher darüber hinaus Daten zu Haus- und Aktienbesitz, Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit sowie den Bildungsstand der Arbeitnehmer untersucht.

Dabei stellten die Ökonomen fest, dass Arbeitnehmer unter 61 Jahren nicht auf Krisen reagieren. Arbeitnehmer, die 62 Jahre und älter sind und nicht mehr viel Zeit für eine Erholung ihrer Sparvermögen bis zum Renteneintritt haben, reagieren aber sehr wohl – allerdings je nach Bildungsstand sehr unterschiedlich.

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