Wissenswert
Volldampf voraus in China und Indien

Bis zu zehn Prozent Wirtschaftwachstum pro Jahr sind in China auf längere Sicht möglich, lautet das Fazit einer neuen Studie zweier amerikanischer Ökonomen. In Indien sind es "nur" sieben Prozent.

Im Vergleich zu diesen Zahlen wirkt selbst das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegsjahre fast ein bisschen mickerig: Seit mehr als 25 Jahren wächst die Wirtschaftsleistung in Indien jedes Jahr um 5,4 Prozent, in China gar um 9,2 Prozent.

Was sind die treibenden Kräfte hinter dieser historisch beispiellosen Entwicklung? Und wie lange kann sie so weitergehen? Die Ökonomen Barry Bosworth (Brookings Institution) und Susan Collins (Georgetown University) haben das Wachstum in beiden Ländern zwischen 1978 und 2004 untersucht und es wie unter einem Mikroskop in seine einzelnen Bestandteile zerlegt.

Ihr Fazit ist optimistisch: Von den Grenzen des Wachstums sind China und Indien noch weit entfernt. „Beide Länder haben ein großes, unterausgelastetes Arbeitskräfte-Potenzial und hohe Sparquoten.“ In China seien daher zehn Prozent Wachstum pro Jahr möglich, in Indien sieben. „Auf der Angebotsseite sind die Voraussetzungen für weiteres rapides Wachstum sind sehr gut.“

Damit widersprechen die Forscher vor allem mit Blick auf China anderen Wissenschaftler, die sich über eine Verlangsamung des Produktivitätswachstums im Zuge von Überinvestitionen Sorgen machen. „Nach unserer Analyse ist eine solche Abschwächung bislang nicht zu beobachten.“

Bosworth und Collins erklären diese Diskrepanz zu anderen Studien damit, dass sie aktuelle, revidierte Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechung Chinas verwendet haben. Zudem sei in den früheren Untersuchungen die Inflation in der Zeit vor 1978 unterschätzt und das Wirtschaftswachstum somit überschätzt worden.

Unter dem Strich stellen Bosworth und Collins fest, dass sich die Struktur des Wachstums zwischen beiden Ländern erheblich unterscheidet. In China steht der Boom auf einem breiten Fundament. Der wichtigste Motor ist die Industrie, die vor allem seit 1993 stark zunimmt. Aber auch der Dienstleistungssektor und die Landwirtschaft haben deutlich zum Wachstum beigetragen.

In Indien dagegen kann nur der Service-Sektor eine wirlich gute Bilanz vorweisen. In der Landwirtschaft, vor allem aber in der Industrie hinken die Inder deutlich hinter den Chinesen her – vor allem, weil die Produktivität dort deutlich langsamer wächst. In allen Sektoren der Wirtschaft ist das Produktivitätsniveau in China heute höher als in Indien – Ende der siebziger Jahre war das noch umgekehrt.

Das langsame Wachstum der Industrie bringt in Indien nach Ansicht der Forscher auch negative Folgen für den Arbeitsmarkt mit sich. Denn: „Nur ein Ausbau der Güterproduktion und des Handels kann in Indien die Arbeitsplätze schaffen, die die vielen unterbeschäftigen und schlecht qualifizierten Arbeiter benötigen.“

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