Wissenswert
Wie ein TV-Sender George W. Bush zum Wahlsieg verhalf

Von Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist der Ausspruch überliefert, zum Regieren brauche er nur „Bild, BamS und Glotze“.
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Aber wie groß ist der Einfluss von Presse, Funk und Fernsehen auf die öffentliche Meinung tatsächlich? Seit Jahrzehnten zerbrechen sich Medien- und Politikwissenschaftler darüber den Kopf. Ihre Diskussion kreist bislang aber nur um anekdotische Evidenz. Und die ist ziemlich widersprüchlich: Einerseits soll Richard Nixon 1960 die Präsidentschaftswahl deshalb verloren haben, weil er in einem TV-Duell schlecht rasiert war. Andererseits schrieb der „Spiegel“ jahrelang gegen Helmut Kohl an, ohne dessen politische Karriere zu beschädigen.

Zwei Wirtschaftswissenschaftler aus den USA und Schweden haben jetzt erstmals den Zusammenhang zwischen tendenziöser Medienberichterstattung und dem Ausgang von Wahlen mit wissenschaftlichen Methoden berechnet. Ihr Ergebnis ist frappierend: US-Präsident George W. Bush hat seinen Wahlsieg im Jahr 2000 einseitiger Fernseh-Berichterstattung zu verdanken, lautet das Fazit der Untersuchung. „Medien können beträchtlichen politischen Einfluss haben“, betonen die Autoren Stefano DellaVigna (University of California, Berkeley) und Ethan Kaplan (Universität Stockholm).

Konkret haben die Forscher untersucht, wie sich das Wahlverhalten der Amerikaner durch das Auftreten des konservativen Nachrichtenkanal „Fox News“ veränderte. Der Sender wurde 1996 von TV-Mogul Rupert Murdoch als Konkurrent zu „CNN“ gegründet.„Fox News“ machte sich mit seiner betont konservativen Berichterstattung einen Namen. Medienwissenschaftler wiesen dem Kanal in mehreren Studien Einseitigkeit nach – so kommen bei „Fox News“ viel häufiger Experten aus konservativen Einrichtungen zu Wort als bei anderen Sendern.

Ein historischer Zufall ermöglichte es den Forschern, den Effekt auf das Wahlverhalten der Amerikaner methodisch sauber zu beziffern. Denn „Fox News“ war in den ersten Jahren längst nicht in allen US-Regionen empfangbar. Im Jahr 2000 wurde der Sender erst in 20 Prozent aller Städte ins Kabelnetz eingespeist. Anhand von mehr als 9200 Städten aus 28 Bundesstaaten konnten die Ökonomen untersuchen: Hat sich das Wählerverhalten in diesen Städten anders entwickelt als in Regionen, in denen der Sender noch nicht zu empfangen war?

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