Wissenswert
Kolumbiens schweres Erbe der Sklavenzeit

Die Sklaverei ist längst abgeschafft und doch wirkt sie noch in den Ländern nach, in denen besonders viele Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Wirtschaftlich stehen ehemalige Sklavenstädte in Kolumbien heute schlechter da.
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KölnEs ist eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der westlichen Welt: Drei Jahrhunderte lang verschleppten Kolonialmächte wie Spanien und Portugal Millionen Afrikaner, um sie als Zwangsarbeiter einzusetzen. Eine menschliche Katastrophe, die nicht nur in Afrika tiefe ökonomische Schäden angerichtet hat.

Auch in Lateinamerika, wo viele Sklaven in Goldminen schuften mussten, wirkt die grausame Kolonialzeit bis heute nach, zeigt eine neue Studie einer Forschergruppe um den renommierten MIT-Ökonomen Daron Acemoglu. Mit Daten aus historischen Volkszählungen untersuchten die Forscher über 200 Regionen in Kolumbien, in denen im 19. Jahrhundert Goldvorkommen entdeckt wurden.

In 42 Regionen errichteten die spanischen Konquistadoren Bergwerke und ließen afrikanische Sklaven unter Tage arbeiten. In den übrigen 160 Gemeinden wurden keine Minen gebaut und keine Sklaven angesiedelt. So konnten die Ökonomen Regionen mit und ohne Goldmine direkt vergleichen.

Ihre Resultate sind erschreckend: Durch den Einsatz der Zwangsarbeiter verdammten die Kolonialherren ganze Regionen langfristig zur wirtschaftlichen Unterentwicklung. Wo 1843 Sklaven nach Gold schürfen mussten, liegt die Armutsrate heute um 23 Prozent höher. Außerdem werden in diesen Regionen Kinder seltener geimpft und weniger Schüler besuchen eine weiterführende Schule.

Auch die Wasserversorgung ist in den ehemaligen Sklavenstädten schlechter, stellten die Forscher fest. Die Langzeitschäden der Sklaverei sind dabei mit der Zeit immer gravierender geworden. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts waren kolumbianische Gemeinden, in denen zuvor afrikanische Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, wirtschaftlich unterentwickelt.

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Zwangsarbeit bremst Innovationen

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  • 500 Jahre unter der Roemisch Katholischen Kirche - haben alle Bevoelkerungsgruppen gelaehmt. Dr. Michelle Obama, Dr.Condoleeza Rice,Dr. Angela Davis,Dr. Susan Rice - sind alle Nachkommen von schwarzen Sklaven im Sueden der USA, deren Urvaeter nach der Befreiung 1865+ - von Protestanten der Nordstaaten zu Pfarrer ausgebildet wurden. Vor 1900 gab es schon schwarze Aerzte und Rechtsanwaelte in USA. Aber die wirkliche "Gleichheit" fuer alle kam erst nach 1964.

  • Spanien und Portugal sollten die lateinamerikanischen Länder entschädigen für das, was sie eingerichtet haben. Ganze Zivilizationen vernichten, ganze Schätzen (Gold, Silber, Smaratten etc.) geklaut. Und was macht Spanien heutzutage? Schließt die Türen für diese Völker, die einst so ausgebeutelt wurden und nun heutzutage immernoch darunter leiden. Noch schlimmer: ich müsste mich einmal von einem Spanier sagen lassen, wir toll es war, dass sie uns "kolonisiert" haben, da sie die Zivilization und das Wisen mitgebracht haben. VERBRECHER!

  • Es ist Nachgewiesen das nicht die Europäer die Sklaven in Afrika gefangen haben .Sondern es waren Araber die sie an die Europäer verkauften .Vorher haben sie das für ihren Eigenbedarf gemacht. Sie wären so oder so gefangen worden.

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