Ölpreis-Explosion
Libyen-Krise trifft Deutsche mit voller Wucht

Die Libyen-Krise hat den Ölpreis in gefährliche Höhen getrieben. Sollte sich die Situation weiter verschärfen droht ein Konjunktur-Rückschlag. In Deutschland haben die Spritpreise schon kräftig angezogen.
  • 11

DüsseldorfDie Ölpreis-Explosion infolge der Unruhen in der arabischen Welt stellt nach Einschätzung des Direktors des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, eine Bedrohung für den konjunkturellen Aufschwung dar. Auf eine entsprechende Frage antwortete Horn im Gespräch mit Handelsblatt Online: "Die Frage muss mit ja beantwortet werden. Denn die Kosten für die Unternehmen steigen, was ihre Gewinne und damit ihre Investitionsbereitschaft schmälert."

Wälzten die Unternehmen die höheren Energiekosten auf die Verbraucher ab, würden zudem deren Realeinkommen geschmälert, was die Konsumbereitschaft belaste. Positiv bemerkbar machen dürfte sich nach Horns Ansicht allerdings die durch die höheren Öleinnahmen beflügelte Nachfrage der Ölexporteure nach deutschen Exporten. "Dieser Effekt dürfte jedoch nicht ausreichen ,um die Belastungen zu kompensieren", fügte der Ökonom hinzu.

Angesichts der anhaltenden gewalttätigen Unruhen in Libyen hat sich der Ölpreis am Freitag auf hohem Niveau gehalten. Das Fass Brent wurde 0,3 Prozent teurer mit 111,67 Dollar gehandelt, WTI verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 97,70 Dollar. "Wenn am Ölmarkt die Weltpolitik im Nahen Osten ins Spiel kommt, dann sind alle gewöhnlichen Annahmen zur Richtung des Ölpreises auf Basis von Angebot und Nachfrage oder ökonomischen Daten abgeschaltet", heißt es einem Marktkommentar der BNP Paribas.

Am Donnerstag war der rasante Ölpreisanstieg der Vortage zum Stillstand gekommen, nachdem Saudi-Arabien höhere Ölexporte in Aussicht gestellt hatte. Das Fass Brent kostete am Donnerstag zeitweilig knapp 120 Dollar. Charttechnisch betrachtet kann der WTI-Preis nach Einschätzung von Reuters-Analyst Wang Tao aus technischen Gründen in diesem Jahr noch auf 159 Dollar je Fass steigen.

Der Anstieg weckt böse Erinnerungen an vergangene globale Rezessionen. „Wenn die Situation in der Region außer Kontrolle gerät, bekämen wir sicher eine neue Ölkrise“, warnt Rohstoffexperte Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Felix Neugart vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag hat gerechnet: „Steigt der Ölpreis um ein Prozent, kostet das die deutsche Wirtschaft etwa eine halbe Milliarde Euro.“ Davon betroffen wären vor allem Chemiekonzerne und Fluggesellschaften. Die Branchenführer Tui und Thomas Cook bezifferten ihre Ergebniseinbußen allein durch gestrichene Reisen und Rückholaktionen auf 35 beziehungsweise 24 Millionen Euro.

Seite 1:

Libyen-Krise trifft Deutsche mit voller Wucht

Seite 2:

Kommentare zu " Ölpreis-Explosion: Libyen-Krise trifft Deutsche mit voller Wucht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Tim. Ich finde, es gibt da nichts zu verstehen. Die Ölkonzerne wollen Gewinn machen, was ja auch verständlich ist. deshalb werden- wie in allen anderen branchen auch- die Preise erhöht, wenn dies am Markt durchsetzbar ist. Undwenn der Rohölpreis ansteigt, hat man eben ein argument, um Preiserhöhungen zu begründen. wir sollten hier nicht so tun, als ob es unser grundrecht ist, energie zu einem bestimmten Preis zu bekommen. Das ist kein grundrecht. wir haben- wie viele andere völker auch- das zu zahlen, was der markt verlangt. Im übrigen: Der größte anteil des Preises ist steuer.

  • Gewaltige bedrohung für den jubelaufschwung ? Geht der hochgejubelten "Konjunkturlokomotive Deutschland" nun beim ersten Lüftchen die Puste aus ? Wie kann das nun sein, wo doch der ifo-Index ständig neue Rekordstände erreicht. -So langsam dämmert es den berufjublern, daß eine inflationswelle nun durchschlagen wird und daß deswegen die hochgepushten Hoffnungen zerplatzen werden wie eine seifenblase. Jahrzehntelanger Aufschwung-ha ha ha.

  • WENN Daimler 1997 mutig gewesen wäre und die serienreife A-Klasse mit Elektroantrieb auf den Markt gebracht hätte, und
    WENN deutsche Regierungen seit der Ölkrise Anfang der 70er konsequent Wärmedämmung, Passivhäuser und "ölfreie" Heizungen gefördert hätten,
    DANN wäre die deutsche Autoindustrie heute vermutlich Weltmarktführer bei E-Autos anstatt Hinterherhechler, und auch den Häuslebesitzern würden die Ölpreise relativ weit hinten vorbeigehen.

    Aber wer nur der reinen Leere der Marktwirtschaft vertraut und immer wartet bis sich etwas "rechnet", der kriegt eben irgendwann die Rechnung präsentiert.
    Und dann hilft auch kein noch so verzweifelter Glaube an unendliche Massen abiotischen Öls mehr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%