Offene Stellen massiv gesunken
Düstere Aussichten für deutschen Arbeitsmarkt

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet zwar eine langsame Stabilisierung der deutschen Wirtschaft. Da aber ein Aufschwung noch lange nicht erkennbar sei, dürfte sich nach Ansicht der Ökonomen der Arbeitsmarkt noch deutlich schlechter entwickeln als bisher. Die Einschätzung wird von der Bundesagentur für Arbeit gestützt: Neueste Zahlen verheißen nichts Gutes.

HB NÜRNBERG/BERLIN. Die Zahl der offenen Stellen in Deutschland ist in den ersten drei Monaten des Jahres massiv um rund ein Viertel gesunken. Die Wirtschaftskrise habe inzwischen mit der üblichen Verzögerung von einigen Monaten deutliche Spuren auf dem Stellenmarkt hinterlassen, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Montag mit. Im Schlussquartal 2008 sei das Stellenangebot noch moderat zurückgegangen. Trotz des deutlichen Einbruchs seit Jahresbeginn warnten die IAB-Experten vor einem künftigen Fachkräftemangel im sozialen Bereich.

Ähnlich pessimistisch äußerte sich das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW). In ihrem aktuellen Konjunkturbarometer prophezeien die Ökonomen angesichts der schleppenden Konjunktur: „Insbesondere der Arbeitsmarkt dürfte sich in den kommenden Monaten noch deutlich schlechter entwickeln als bisher.“ Die fortschreitende Eintrübung der Arbeitsmarktlage sei durch eine Stabilisierung der Produktion nicht aufzuhalten. „Hierzu wäre eine weitaus kräftigere Expansion der wirtschaftlichen Aktivität erforderlich, als bisher abzusehen ist.“

Wie das zur Bundesagentur für Arbeit gehörende IAB bei deutschen Unternehmen erfragt hatte, waren im ersten Quartal 870 000 offene Stellen zu besetzen. Das sind 221 000 weniger als im Schlussquartal 2008 und ein Minus von 273 000 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Schon Ende 2008 war die Zahl der Stellenangebote in den Bereichen Metall, Elektro, Maschinen- und Fahrzeugbau um die Hälfte zurückgegangen. Mittlerweile wirke sich die Krise aber auch auf die meisten anderen Branchen spürbar aus, hieß es. Der Rückgang betreffe nahezu ausschließlich Westdeutschland, da die ostdeutsche Wirtschaft weniger exportabhängig und daher von der Wirtschaftskrise bislang weniger hart getroffen sei.

Gut sieht die Lage deutschlandweit bei sozialen Dienstleistungen aus: Sozialarbeiter, Erzieher und Altenpfleger stehen inzwischen nach den Ingenieursberufen an zweiter Stelle der sofort zu besetzenden Posten. Die Arbeitgeber erwarten hier einen steigenden Bedarf in den kommenden Jahren und fürchten zum Teil gar Personalengpässe. Die Nürnberger Arbeitsmarktforscher plädieren deshalb dafür, trotz der aktuellen Krise einem künftigen Fachkräftemangel vorzubeugen. Für die Studie hatte das IAB im Herbst 14 000 Betriebe schriftlich, im Frühjahr 8000 Betriebe telefonisch befragt und damit sämtliche offenen Stellen erfasst - nicht nur die den Arbeitsagenturen gemeldeten.

Ungeachtet dessen mehren sich nach DIW-Einschätzung insgesamt die Anzeichen für eine langsame Stabilisierung der deutschen Wirtschaft – allerdings auf einem niedrigen Niveau. „Ein baldiger Aufschwung ist noch nicht erkennbar“, unterstreichen die Ökonomen. Das Bruttoinlandsprodukt wird laut Prognose im zweiten Quartal um voraussichtlich 0,5 Prozent schrumpfen. Im ersten Quartal war die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal noch um 3,8 Prozent abgestürzt. Inzwischen gebe es eine Reihe von Indikatoren für eine allmähliche Stabilisierung, berichten die DIW-Experten.

So habe sich das Geschäftsklima, gemessen am Ifo-Index, seit der Jahreswende kontinuierlich aufgehellt. Dazu hätten auch - verglichen mit dem Vormonat - wieder leicht steigende Auftragseingänge in der Industrie im März beigetragen. Die verhaltene Aufwärtsentwicklung werde maßgeblich durch Bestellungen aus dem Ausland getragen. Deshalb dürften die bislang vom Abschwung am stärksten gebeutelten Exportbranchen Maschinenbau, Kraftfahrzeugbau und chemische Industrie von dieser Entwicklung profitieren, heißt es in der Analyse.

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