Patrick Honohan
Der unbequeme Professor

Auch in Irland sorgt die Finanzkrise für das Ende alter Traditionen. Seit der Gründung der irischen Notenbank im Jahr 1943 stand stets ein hoher Staatsbeamter an der Spitze. Doch das wird sich heute ändern: Der neue Notenbankchef Patrick Honohan ist ein Außenseiter und hat sich einen Namen als Kritiker der Regierung gemacht.

LONDON. Zum ersten Mal hat die irische Regierung einen Außenseiter zum obersten Währungshüter der Insel berufen: Patrick Honohan. Der Volkswirt war bisher Professor am traditionsreichen Trinity College in Dublin und gilt als ausgewiesener Finanzexperte, der beim Internationalen Währungsfonds und bei der Weltbank Erfahrung gesammelt hat.

"Während der gesamten Finanzkrise habe ich immer wieder den Rat von Professor Honohan gesucht, und er war immer mit wertvollen Vorschlägen zur Stelle". So begründete der irische Finanzminister Brian Lenihan die Berufung des Akademikers. Aber Lenihan blieb wahrscheinlich gar nichts anderes übrig, als sich für einen respektierten Außenseiter zu entscheiden, wollte er nicht das Vertrauen der Investoren in die Stabilität der irischen Wirtschaft weiter untergraben.

Die weltweite Finanzkrise hat Irland besonders hart getroffen. Zwar haben die Banken kaum Probleme mit toxischen Wertpapieren, dafür leiden sie aber unter dem Platzen der Immobilienblase, die in Irland besonders ausgeprägt war. Die Insel stürzte als erstes EU-Land in die Rezession, und Ökonomen erwarten, dass die Wirtschaft 2009 um 6,5 Prozent schrumpft. Anfang des Jahres fürchteten die Investoren einen Kollaps der irischen Geldinstitute, der die Wirtschaft gelähmt hätte. Die Regierung verstaatlichte daraufhin die Anglo Irish Bank und stützte auch die anderen großen Institute mit Kapitalhilfen. Um die Probleme im Finanzsektor endgültig in den Griff zu bekommen, hat Irland als erster europäischer Staat eine landesweite Bad Bank gegründet. Die National Asset Management Agency (Nama) soll den Geldhäusern faule Kredite im Wert von 77 Mrd. Euro abnehmen.

Damit sind die Probleme, mit denen der neue Zentralbankchef fertig werden muss, aber noch nicht zu Ende. Nach Meinung der Ratingagentur Standard & Poor's wächst durch die Folgeschäden der Finanzkrise die Gefahr, dass das noch vor wenigen Jahren als keltischer Tiger bejubelte EU-Mitglied seine Staatsschulden eines Tages nicht mehr bedienen kann. Deshalb haben die Bonitätswächter im vergangenen Juni zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten die Note für die Kreditwürdigkeit Irlands gesenkt.

Finanzminister Lenihan mag Honohan ja als Berater schätzen, aber der als eloquent und jovial geltende künftige Notenbanker hat durchaus seine eigene Meinung, und die deckte sich in der Vergangenheit nicht immer mit der der Regierung. Honohan gilt als scharfzüngiger Kritiker der Verstaatlichung der Anglo Irish Bank und des schonenden Umgangs mit den Anleiheinvestoren, und auch am Aufbau der Nama hatte er einiges auszusetzen.

Seine künftigen Untergebenen bei der irischen Notenbank ahnen wohl ebenfalls, dass Honohan von ihrer Leistung während und vor allem vor der Finanzkrise nicht allzu begeistert ist, vor allem was die Bankenaufsicht angeht. In einem Bericht an die Weltbank schrieb Honohan unter dem Titel, "Was in Irland schiefgelaufen ist": "Oberflächlich mag die Bankenregulierung so ausgesehen haben, als entspreche sie internationalen Standards. Tatsächlich war sie träge und schwach".

Patrick Honohan

1973: Patrick Honohan schließt seine Ausbildung als Volkswirt am Dubliner University College ab. Im selben Jahr beginnt er für den Internationalen Währungsfonds zu arbeiten.

1976: Honohan wechselt als Volkswirt zur irischen Notenbank. 1984: Mehrere Jahre lang berät Honohan den irischen Ministerpräsidenten Garret Fitz Gerald in wirtschaftlichen Fragen.

1990: Er wechselt zum Dubliner Think Tank Economic and Social Research Institut und leitet dort das Bankenteam.

1998: Honohan kehrt zur Weltbank zurück, für die er bereits einmal Ende der 80er- Jahre als Senior Berater für den Finanzsektor gearbeitet hat.

2007: Honohan zieht es zurück in die Heimat, er wird Professor am Dubliner Trinity College.

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