Politik-Stillstand in Deutschland, USA, Italien
Warten auf den Vulkanausbruch

Der „Shutdown“ erschüttert Amerika, Deutschland sucht eine Regierung, in Italien herrscht Polit-Chaos. Die schlechten Nachrichten alarmieren Ökonomen. Manch einer befürchtet das Schlimmste: Die Rückkehr der großen Krise.
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BerlinFührende Ökonomen sehen mit großer Sorge auf die derzeitige politische Selbstblockade mehrerer westlicher Staaten. Konkret geht es um den US-Haushaltsstreit, der die größte Volkswirtschaft der Welt gefährlich Richtung Zahlungsunfähigkeit treibt. Es geht auch um die Verhandlungen um eine neue Regierungskoalition in Berlin, deren Ende noch nicht absehbar ist und um die politische Krise in Italien. „Das sind alles keine guten Nachrichten“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. Der Haushaltsstreit in den USA könne im Extremfall dazu führen, dass der zaghafte Aufschwung dort zum Erliegen kommt. „Das wäre für die deutsche Exportindustrie, die gerade in den USA während der vergangenen zwei Jahre große Erfolge feierte, ein harter Schlag.“

Auch die Entwicklung in Italien gebe Anlass zur Sorge, „weil sie die Unsicherheit im Euro-Raum erhöht, was auf den Finanzmärkten zu leichten Panikanfällen führen könnte“. Das aber könne sich der Euro-Raum, der bislang die Rezession noch nicht mit Sicherheit verlassen hat, überhaupt nicht leisten.

Noch pessimistischer fällt die Analyse des Wormser Wirtschaftsprofessors Max Otte aus. „Es ist durchaus möglich, dass bald der nächste Krisenherd ausbricht“, sagte Otte Handelsblatt Online. Wahrscheinlich werde es auch dann den Notenbanken noch einmal gelingen, die entstehende Krise „in Liquidität zu ertränken – mit weiteren schädlichen Nebenwirkungen“.

Nach Einschätzung Ottes sind immer noch nicht die richtigen Lehren aus der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise gezogen worden. „Die Regierungen der Industrienationen vollführen spätestens seit der Lehmann-Pleite einen Tanz auf dem Vulkan“, sagte er. Die zunächst erfolgreichen Maßnahmen zur Krisenbekämpfung hätten keines der zugrundeliegenden Probleme gelöst. „Sie haben zudem schwere Nebenwirkungen in Form von Verwerfungen an den Kapital- und Immobilienmärkten, für die Wirtschaften der europäischen Peripherienationen und für den Mittelstand.“

Vor diesem Hintergrund hätten sich die Schwingungen der, wie der Philosoph Peter Sloterdijk es einmal bezeichnet hat, „Stressgemeinschaft“ erhöht. „Die Spannungen steigen“, sagte Otte mit Blick auf aktuelle politische Phänomene. Die Tea-Party-Bewegung in den USA, die Partei Fünf Sterne des Italieners Beppe Grillo und die Alternative für Deutschland (AfD) seien „Zeichen, dass die Bürgerinnen und Bürger deutlich wahrnehmen, dass nicht alles Gut ist“.

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  • Wer sagt Abwertung steigere nicht die Wettbewerbsfähigkeit, der hat nichts verstanden.
    Die deutsche Exportindustrie wollte den Euro aus dem Grunde, dass Abwertung der anderen die eigene Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr unterhölt.
    Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Euro-Befürworter, die sich für große Europäer halten, in Wirklichkeit zutiefts national denken.
    Ihr Hauptargument, wenn die DM zurückkehrt, dann wird sie stark aufwerten, was unserer Exportindustrie schadet.
    Ja, wenn das nicht national gedacht ist, dann weiß ich nicht was national bedeutet.

  • Was gebe ich drum, wenn einmal an der Sache orientierte Kritik geäußert werden würde?
    Deutschland im Elfenbeinturm? Schuldenkrise? Über unsere Verhältnisse gelebt? Wer sitzt im Elfenbeinturm? Schuldenkrise wird immer wieder und wiederholt?
    Weltweit liegt die Staatsverschuldung bei etwa 80 Prozent vom laufenden Einkommen eines Jahres. Jeder normale Mensch, der ein Haus gekauft hat, hat einen Schuldenstand von etwa 150 bis 250 Prozent seines Jahreseinkommens. Wo ist das Problem, wenn die Staaten Schulden in Höhe von 80 Prozent des Einkommens haben? Das ist kein Problem, denn wir besitzen auch ein riesiges Vermögen und nur mit dem kann man sinnvoll vergleichen.
    Damit auch jeder in diesem Land weiß, wir haben über unsere Verhältnisse gelebt? Die Herrschenden in den Ländern, in Brüssel und die Mainstream Medien geben ein ganz schlechtes Beispiel dafür ab, wie doch Interessen gesteuerte Politik in den Ländern und Europa betrieben wird? Wer ständig die sog. „Schuldenkrise“ erwähnt, ohne die Ursachen, und vor allem die gigantischen Vermögen in Europa verschweigt, klärt nicht auf, sondern betreibt eine Interessen gesteuerte Propaganda.

  • Irgendwie ist man der medialen Einfältigkeit satt. Der Journalismus ist überschaubar, seine mentale Bandbreite vermessen, wie die EU, die krachende Globalisierung, welche uns hier als schicksalhaft aufgeschwatzt werden soll von mitelmäßigen Verkäufern ohne Stil, wir kennen die Marionettenspieler, die Hampelmnänner, die profanen Motive, da erwartet keiner einen Geistesblitz. Wer Zeitung liest, muß sich dumm stellen.
    Der Planet ist ausgelaugt und Nimmersatt hat nichts profaneres im Nähkästchen, als uns sein tyrannisches Internationalisierungswerk aufzuhalsen, um uns dann jeden Tag mit krakeligem Selbstmitleid Tränen des Mitleids abzupressen. So blöde kann niemand sein, dieses EU-Kack immer noch ernst zu nehmen.

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