Positiv für die Konjunktur
Ökonomen jubeln über Rohstoff-Preisrutsch

Nach Meinung führender Ökonomen in Deutschland besteht wegen des Preisverfalls bei Rohstoffen kein Grund zur Panik. Man solle sich vielmehr freuen, denn die Entwicklung sei gut für die Konjunktur.
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DüsseldorfNach Ansicht des Direktors des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, besteht angesichts des jüngsten Preisverfalls bei Rohstoffen kein Grund zur Panik, sondern eher zu verhaltener Freude. "Die Rohstoffpreise waren schon länger spekulativ überhöht und die leichte Abwertung des Euro basiert auf der Fehleinschätzung der Märkte, die EZB würde stärkere Zinsanhebungen vornehmen", sagte Horn Handelsblatt Online. "Sowohl die niedrigeren Rohstoffpreise als auch der etwas niedrigere Euro wirken sich mit Verzögerung leicht positiv auf die europäische Konjunktur aus."

Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, wies darauf hin, dass der Euro/US-Dollar und der Ölpreis deshalb so stark gesunken seien, "weil sie überkauft und somit anfällig waren für eine Korrektur" waren. "Damit fallen auch angebliche Konjunktursorgen als Erklärung weitgehend aus", sagte Krämer Handelsblatt Online. Denn die deutschen Auftragseingänge seien am Donnerstag vor allem deshalb um vier Prozent gefallen, weil es ungewöhnlich wenige Großaufträge gegeben habe. "Das war ein Sonderfaktor, der Der Trend weist bei den Aufträgen aber weiter nach oben." Das zeige auch die deutsche Industrieproduktion, die im März um 0,7 Prozent zugelegt hatte.

Krämer nahm zugleich die Europäische Zentralbank (EZB) in Schutz. Der Euro war auf 1,4510 Dollar abgestürzt, nachdem die EZB den Leitzins beibehalten hatte und Hinweise auf eine baldige Zinserhöhung ausgeblieben waren. Nur auf den ersten Blick habe EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den Absturz von Euro/US-Dollar und Ölpreis ausgelöst. "Denn er hatte gestern auf das Signalwort Wachsamkeit verzichtet und damit vermieden, bereits für Anfang Juni die nächste Zinserhöhung anzukündigen", so Krämer. Aber die übrigen Äußerungen deuteten darauf hin, dass die EZB ihren Leitzins einen Monat später, also im Juli, anheben dürfte. "Die Pressekonferenz der EZB war also nicht der Grund für die heftigen Marktreaktionen."

Auch der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, reagierte gelassen und sieht ebenfalls keinen Grund, in Konjunkturpessimismus zu verfallen. "An den Rohstoffmärkten bricht sich eine Welle, die neben fundamentalen Argumenten auch durch spekulative Elemente getrieben war", sagte Kater Handelsblatt Online. Rohstoffe blieben eben in einer stark wachsenden Weltwirtschaft knapp und teuer. "Dazu hatten wir in der ersten Jahreshälfte genügend Themen, die etwa die Edelmetalle als sicheren Hafen erschienen ließen: geopolitische Risiken, Naturkatastrophen, Sorgen um die Bonität großer Industriestaaten", erläuterte der Ökonom.

Einige dieser Themen seien abgeflaut. Möglicherweise würden hier und da einige Risikoprämien abgebaut. Dazu seien viele konjunkturelle Frühindikatoren an die Decke gestoßen und hätten sich leicht zurückgebildet. "Aus all diesen Einflüssen lässt sich aber für die Weltwirtschaft noch keine grundsätzlich neue Geschichte gegenüber dem Jahresanfang schreiben", betonte Kater und fügte hinzu: "Die Erholung geht weiter, freuen wir uns derweil über günstigere Rohstoffpreise."

Ähnlich äußerte sich Thorsten Proettel, Rohstoff-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Was den Markt stark bewege, sei ein Herdenverhalten der Teilnehmer. "Bei einigen Rohstoffen hat eine Überspekulation stattgefunden, jetzt läuft die Herde in die Gegenrichtung und alle wollen zur gleichen Tür raus", sagte Proettel Handelsblatt Online. Und dieser Trend könne noch eine Weile anhalten.

Rückschläge für die Weltwirtschaft befürchtet der LBBW-Volkswirt aber nicht. "Die Weltkonjunktur befindet sich weiter im Aufwärtstrend, insofern sollte auch die Nachfrage nach Rohstoffen steigen." Die Volatilität im Markt werde noch eine ganze Weile hoch bleiben. "In einigen Monaten wird sich das Geschehen dann aber beruhigen und die Investoren werden wieder stärker darauf schauen, welche Preise fundamental tatsächlich gerechtfertigt sind." Hier würden sich die Notierungen dann mittelfristig einpendeln, so Proettel.

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