Präsident Trichet bezeichnet Leitzinsniveau als angemessen und sieht keine Inflationsgefahr
EZB schließt Zinssenkung nicht mehr aus

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) ist gestern von seiner bisherigen Linie abgerückt, wonach eine Leitzinssenkung keine Option für die Notenbank darstelle. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vermied trotz drängender Nachfragen von Journalisten auf der Pressekonferenz nach der Ratssitzung jede Aussage in dieser Richtung. Nach zwei Jahren Niedrigzinspolitik ließ der EZB-Rat auch am Donnerstag den Leitzins bei 2,0 Prozent.

noh FRANKFURT/M. Auf die Frage, ob der EZB-Rat auch über eine Zinssenkung gesprochen habe, antwortete er ausweichend, der Rat habe eine sehr, sehr gründliche Diskussion geführt und sei einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass der Leitzins derzeit angemessen sei.

„Offensichtlich wollte Trichet eine Zinssenkung nicht mehr gänzlich ausschließen“, kommentierte der Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank, Jörg Krämer, der selbst der Meinung ist, die EZB sollte die Leitzinsen anheben.

Bisher hatte Trichet die Möglichkeit einer Zinssenkung kategorisch ausgeschlossen. Seit der letzten Sitzung Anfang Mai haben jedoch mehrere Institutionen wie die Industrieländerorganisation OECD und das Münchener Ifo-Institut nachdrücklich eine Zinssenkung gefordert.

Hintergrund für diese Forderung ist die deutliche Eintrübung des Wirtschaftsklimas. Viele Experten gehen davon aus, dass die Industrie des Euro-Raums sich auf Schrumpfungskurs befindet. In Italien ist die Wirtschaftsleistung bereits zwei Quartale in Folge geschrumpft.

Trichet musste gestern einräumen, dass die EZB den seit Jahren angekündigten Aufschwung erneut in das nächste Jahr verschieben musste. Für dieses Jahr rechnen die EZB-Volkswirte nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent. Das geht aus den neuen vierteljährlichen Prognosen hervor, die die EZB gestern veröffentlichte. Vor einem Jahr hatte die EZB ihre Geldpolitik noch an der Erwartung ausgerichtet, die Wirtschaft des Euro-Raums werde in diesem Jahr mit deutlich über zwei Prozent so stark zulegen, dass die Unterauslastung der Produktionskapazitäten abgebaut würde. Jetzt rechnen die EZB-Volkswirte nicht einmal mehr damit, dass dies im Jahr 2006 gelingt. Sie reduzierten die Wachstumsprognose für 2006 von 2,1 Prozent auf 2,0 Prozent.

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