Preisexplosionen
Welle der Inflation

Der Ölpreis steigt - die Inflation auch. Noch stärker aber wird sie durch die Nahrungsmittelpreise angetrieben. Klare politische Signale bleiben im Kampf gegen die enormen Teuerungen aus. Was die Europäer zunehmend in Wut versetzt, macht den Japanern Hoffnung.

BERLIN. Die nationale Politik steht der Inflation weitgehend machtlos gegenüber. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Dienstag unumwunden eingestanden. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) rät zur Zurückhaltung - und einer abgestimmten Kooperation zwischen Staaten und internationalen Organisationen.

"Die Regierungen müssen die richtige Balance zwischen zwei Risiken finden: Jenem für die Armen und jenem für die Volkswirtschaft", sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bei Vorlage eines neuen Inflationsberichts. Stärker noch als durch den Ölpreis werde die Inflation weltweit durch die Nahrungsmittelpreise angetrieben: Sie machten den größeren Anteil am Warenkorb aus. Sollten Lebensmittel noch teurer werden und der Ölpreis gleich hoch bleiben, "werden einige Regierungen nicht mehr in der Lage sein, ihre Bevölkerung zu ernähren und zugleich die Stabilität ihrer Volkswirtschaft zu gewährleisten", warnte der IWF-Chef.

Der Fonds rechnet nicht mit einem schnellen Abflauen der Inflation, warnte betroffene Regierungen aber davor, als Reaktion auf die Preisexplosion Handelsbarrieren zu errichten oder großzügige Energie-Subventionsprogramme aufzulegen. "Ein Verbot von Nahrungsmittelausfuhren exportiert nur den Hunger in ein anderes Land", sagte Strauss-Kahn.

Auch Kanzlerin Merkel wies bei einer Rede vor dem Bauerntag Forderungen nach niedrigeren Agrardiesel-Steuern zurück. Diese Art der Entlastung hätte angesichts der steigenden Rohstoffpreise keine große Wirkung. Wichtiger sei es, den Preisanstieg für Rohöl zu stoppen. "Ansonsten wird der steuerliche Vorteil nach 14 Tagen schon wieder vergessen sein." Die hohen Energie- und Rohstoffpreise seien ein zentrales Thema auf dem Gipfel der acht führenden Industriestaaten kommende Woche in Japan. Die Staats- und Regierungschefs der G8 wollen dort ihre Sorge darüber artikulieren, dass die hohen Ölpreise negative Auswirkung auf die Weltkonjunktur haben.

Geplant sind im wesentlichen drei Gegenmaßnahmen: Zum einen soll genau untersucht werden, wie hoch der spekulative Anteil an der Ölpreisentwicklung ausfällt. Da ein erheblicher Teil des Ölhandels auf dem Papier oder per Computer abgewickelt wird, soll verstärkt geprüft werden, wie man zumindest die Spitzen und Auswüchse der Spekulation eindämmen kann. Ferner will die G8 die Erdöl produzierenden Länder dazu bringen, ihre Förderkapazitäten auszuweiten, um das knappe Angebot auf dem Weltmarkt zu erhöhen. Nach Ansicht von Experten wirkt allerdings auch die geringe Kapazität der Raffinerien in den Abnehmerstaaten, vor allem den USA, preistreibend. Dort ist in den letzten 20 Jahren keine neue, größere Raffinerie mehr gebaut worden. Als dritte Maßnahme will die G8 den Ausbau regenerativer Energien und das Energiesparen vorantreiben.

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