Privater Konsum steigt schneller
Stetiges Wachstum in der Euro-Zone

Die Wachstumsaussichten für die Euro-Zone in diesem Jahr sind nach Einschätzung der EU-Kommission und von drei Forschungsinstituten weiterhin gut. Das zeigen aktualisierte Prognosen bis zum dritten Quartal. Damit dürfte das Wachstum bis zum Herbst relativ stetig verlaufen.

ari DÜSSELDORF. Das deutsche Ifo-Institut, das französische Insee und das italienische ISAE schätzen, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,5 Prozent zugenommen hat. Die EU-Kommission rechnet unverändert mit 0,4 bis 0,8 Prozent Wachstum. Eine erste Schätzung für die ersten drei Monate veröffentlicht das Statistikamt Eurostat am 15. Mai. Eurostat bestätigte das kräftige Wachstum von 0,9 Prozent im Schlussquartal 2006, nahm aber größere Revisionen bei Investitionen und Konsum vor.

Für das zweite und dritte Quartal prognostizieren Ifo, Insee und ISAE in ihrem vierteljährlichen Ausblick einen BIP-Anstieg von jeweils 0,6 Prozent. Die EU-Kommission sagt 0,4 bis 0,9 Prozent für das zweite und 0,3 bis 0,9 Prozent für das dritte Quartal voraus. Der untere Spannenwert für das zweite Vierteljahr wurde etwas tiefer angesetzt als Anfang März.

Die drei Institute rechnen mit einer weiterhin robusten Ausweitung der Investitionen und einer Belebung beim privaten Konsum. Trotz der negativen Effekte durch die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland werde der private Verbrauch „lebhaft expandieren“. Die Institute schätzen, dass die Konsumausgaben auf Quartalssicht im ersten Quartal erneut um 0,4 Prozent gestiegen sind. Bis zum dritten Quartal werde sich der Zuwachs wegen der Besserung am Arbeitsmarkt schrittweise bis auf 0,6 Prozent beschleunigen. Bei den Investitionen erwarten sie jeweils ein Prozent Plus nach 1,5 Prozent im vierten Quartal 2006. Die Industrieproduktion wird der Prognose zufolge „mit solidem Tempo“ zunehmen – um 0,8 Prozent im ersten und jeweils 0,6 Prozent in den beiden folgenden Quartalen.

Im Schlussquartal 2006 hatte sich das Wachstum nach einem schwächeren dritten Quartal wieder beschleunigt. Im Vergleich zum Vorjahresquartal war es mit 3,3 Prozent zugleich das stärkste im vergangenen Jahr. Das höchste Wachstum auf Quartalssicht gab es Ende 2006 in Luxemburg, gefolgt von Spanien und Italien. Die deutsche Wirtschaft wuchs zuletzt so schnell wie die im Durchschnitt. Das war auch im ersten Quartal 2006 der Fall. Im zweiten und dritten Quartal stieg das BIP hier zu Lande dagegen schneller als in der Euro-Zone insgesamt.

Dennoch fiel das deutsche Wachstum im Gesamtjahr mit 2,7 Prozent genau so hoch aus wie im Währungsgebiet. Den BIP-Zuwachs im Gesamtjahr revidierte Eurostat um einen Zehntelpunkt nach oben. Berücksichtigt man die unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen, wuchs die Wirtschaft in der Euro-Zone 2006 um 2,8 Prozent und die deutsche um 2,9 Prozent. In der gesamten EU betrug das Wachstum ohne Kalenderbereinigung 2,9 Prozent und mit Bereinigung drei Prozent.

Größere Veränderungen ergaben die auf umfangreicherem Datenmaterial beruhenden Revisionen vor allem beim privaten Konsum und den Investitionen. Die Bruttoanlageinvestitionen wuchsen im Euro-Raum in allen vier Quartal gegenüber dem vorherigen Vierteljahr schneller als bisher berechnet – zuletzt um 1,5 Prozent. Das gilt – abgesehen vom vierten Quartal auch für die Ex- und Importe. Die privaten Konsumausgaben nahmen dagegen im ersten und vierten Quartal weniger deutlich zu als zuvor geschätzt. Ende 2006 schwächste sich der Konsumanstieg deutlich von 0,7 auf 0,4 Prozent ab.

Die Stärke der deutschen Wirtschaft lag im vergangenen Jahr im Vergleich zu den anderen Euro-Ländern vor allem im Export. Abgesehen vom zweiten Quartal nahm er erheblich stärker zu als im Währungsgebiet. Beim privaten Konsum war das Plus hingegen zuletzt sogar trotz der Vorzieheffekte wegen der Steuererhöhung niedriger. Insbesondere Spanien schnitt beim Konsum und den Investitionen besser ab. Die Investitionen waren in drei der vier Quartale höher als in der Euro-Zone, In Deutschland war dies nur im zweiten und dritten Quartal der Fall. In den Niederlanden nahmen die Investitionen sogar in allen vier Vierteljahren kräftiger zu als in Euroland.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%