Prognos-Studie
Deutschland bleibt Exportmacht - auf Dauer

Allen Befürchtungen zum Trotz hält Deutschland seine Weltmarktanteile stabil. Der Export-Vizeweltmeister gewinnt in manchen Branchen sogar Anteile hinzu. Und auch die Struktur mit reifen Industrien ist kein Hindernis.
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DüsseldorfEnde der 1980er-Jahre blickte die ganze Welt gebannt auf Japan. Unaufhaltsam schien der Aufstieg des Landes zur Wirtschaftsmacht Nummer eins, turmhoch überlegen seine Industrie. „Wir sind ihnen nicht gewachsen, sie sind einfach besser als wir“, resignierte der ehemalige Tokio-Korrespondent des ZDF, Günter Ederer, in seinem Buch „Das leise Lächeln des Siegers“. Er irrte sich gewaltig: Das Werk erschien 1991, in dem Jahr, in dem die enorme Immobilienblase in Japan platzte und das Land in Jahrzehnte der Stagnation rutschte. Zugleich erfreute sich die deutsche Industrie am Wiedervereinigungsboom.

Zwei Jahrzehnte später ist es das Milliardenvolk China, dem ein spektakulärer Aufstieg gelingt. Wieder preisen Autoren China als neue Führungsmacht und sagen den Niedergang der deutschen Industrie voraus. Doch der bleibt einmal mehr aus. Im Gegenteil: Der Anteil Deutschlands an der weltweiten Industrieproduktion ist in der vergangenen Dekade von 7,6 auf 8,1 Prozent gestiegen, der Anteil an den weltweiten Exporten von 12,1 auf 14,3 Prozent. Der Anteil an den Forschungsausgaben blieb bei neun Prozent.

Das zeigt eine Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Sie basiert auf einem einzigartigen Welthandelsmodell aus 100 Millionen Datenkombinationen, mit dem sich für jede Branche nachvollziehen lässt, wie sich durch die Globalisierung Produktion, Forschung und Exportgeschäft von einem Land zum anderen verschoben haben.

Der Befund ist eindeutig: Der Aufstieg Chinas geht überwiegend zulasten der USA. Während der Anteil der US-Industrie an der weltweiten Produktion von 2000 bis 2009 von 28 auf 18 Prozent geschrumpft ist, ist der Chinas von 6 auf 26 Prozent gestiegen. Der Exportanteil der USA knickte von 16 auf 10 Prozent ein, während China von vier auf elf Prozent expandierte.

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  • "Der Befund ist eindeutig: Der Aufstieg Chinas geht überwiegend zulasten der USA."

    Das Handelsdefizit der EU mit den ASEM-Staaten beträgt etwa 200 Mrd. pro Jahr seit mind. 2006.
    Ok, überwiegend.

  • Wenn ich das Bild betrachte überkommt mich der Gedanke der absoluten Perversion. Eine Edelkarre eingepackt in einen Baumwollüberzug für dessen Rohstoff Kinderhände zum pflücken herhalten müssen. Ansonsten würde der erbärmliche Preis für das Köstüm nicht machbar sein. 9Hj5c

  • Um weiterhin erfolgreich zu bleiben, muss aber auch mehr in Deutschland investiert werden. Das ist leider die Achillesferse. Sicher muss im Zeitalter der Globalisierung auch Chancen im wachstumsstarken Ausland investiert werden; letzteres praktizieren auch viele deutsche Unternehmen.

    Wird aber zu wenig in Deutschland investiert, lassen sich hier viele Arbeitsplätze nicht halten. In manchen Branchen ist es ein schleichender Prozeß; Neues wächst auch nicht in einem schnelleren Tempo nach. Um das Sozialsystem zu erhalten, benötigt Deutschland ein mehr an sich selbst tragenden Arbeitsplätze - keine Beamtenjobs, sonder Jobs in der freien Wirtschaft in Deutschland.

    Letzteres ist aber immer schwieriger, wenn sich andere Geschäftsmodelle immer mehr durchsetzen - hier vor allem das Herstellen von Komponenten im Ausland und lediglich das Endmotieren in Deutschland. Aber es ist natürlich besser, eine Endmontage zu betreiben ... als keine Endmontage. Eine Endmontage ist jedoch weniger wissens- und technologiehaltig. Eine Endmontage ist so auch leichter austauschbar im Wettbewerb mit vielen Standorten weltweit. Trotz also der guten Exportzahlen, wird die deutsche Industrie anfälliger. Nur sieht man es nicht so offen schnell.

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