Prognose der Zentralbank
Spaniens Wirtschaft schrumpft immer weiter

Die spanische Wirtschaft hängt in der Rezession fest: Laut Prognose der Zentralbank wird das Bruttoinlandsprodukt um weitere 0,4 Prozentpunkte sinken. Noch verzichtet die Regierung auf den Rettungsschirm der EU.
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MadridSpanien gerät immer tiefer in die Rezession. Im dritten Quartal ist das Bruttosozialprodukt im Vergleich zum zweiten Quartal um 0,4 Prozent gesunken, wie die Notenbank am Dienstag schätzte. Der Negativtrend hält bereits seit fünf Quartalen an. Für 2012 wird ein Rückgang des BIPs um 1,5 Prozent prophezeit, für 2013 um 0,5 Prozent. Der Druck auf Ministerpräsident Mariano Rajoy wächst, Hilfe bei der EU zu suchen.

Offizielle Quartalszahlen werden zwar erst am 30. Oktober veröffentlicht. Doch die Prognosen geben keinen Anlass zu Optimismus. Laut Zentralbank fiel im dritten Quartal auch die von Konsumenten ausgehende Nachfrage um 1,2 Prozent, obwohl im Juli und August wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. September ein besonderer Kaufanreiz bestand.

Das Parlament in Madrid begann unterdessen am Dienstag mit Haushaltsberatungen. Zu einer Demonstration vor dem Abgeordnetenhaus wurden mehrere tausend Demonstranten erwartet. Rajoy plant weitere Sparmaßnahmen, die aus Sicht der Gewerkschaften die Wirtschaft einengen und das Sozialsystem bedrohen. Sie haben deshalb für den 14. November zu einem Generalstreik aufgerufen. Vor dem Parlament soll auch am Donnerstag und Samstag protestiert werden.

Spanien befindet sich zum zweiten Mal innerhalb der letzten drei Jahre in der Rezession und kämpft mit massiven Finanzproblemen sowie einer Arbeitslosenquote von fast 25 Prozent. Auch das Bankensystem muss umstrukturiert werden, was bis zu 60 Milliarden Euro kosten soll, die von der Eurogruppe bereitgestellt werden. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte Spaniens Kreditwürdigkeit vor zwei Wochen auf BBB- herabgestuft, was fast Ramschniveau entspricht.

Trotzdem konnte Spanien am Dienstag erfolgreich Staatsanleihen platzieren. 967 Millionen Euro wurden mit dreimonatiger Laufzeit und einem Zinssatz von 1,42 Prozent (September: 1,2 Prozent) eingenommen, 2,56 Milliarden Euro mit sechsmonatiger Laufzeit zu 2,02 Prozent Zinsen (September: 2,21 Prozent). Die dreimonatigen Anleihen waren dabei mehr als vierfach überzeichnet und auch die sechsmonatigen wurden fast doppelt so oft nachgefragt wie angeboten.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Prognose der Zentralbank: Spaniens Wirtschaft schrumpft immer weiter"

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  • Drucken wir noch ein bisschen Geld und geben es Spanien, Wirtschaftswachstum auf Pump ... vorher die Ersparnisse vergraben und die Rentenanwartschaften abschreiben. Der euro fuehr Europa ins Verderben, das gibt den ganz grossen Crash, mit Krawumm, Bumm und faschistischen Schreihaelsen, wie 1933, 10 Jahre nach 1923. Den euro abwaehlen mit Wahlalternative 2013.

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