Prognose
Forscher: Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf

Auch die Experten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) sind mittlerweile davon überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft auf dem Weg der Besserung ist. Demnach werde der Einbruch der Wirtschaft nicht so tief ausfallen wie befürchtet.
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HB BERLIN. In Euphorie verfallen aber auch die Essener Forscher nicht, denn es sei nur mit einer zögerlichen Erholung zu rechnen, sagte RWI-Experte Roland Döhrn. Die Forscher sagten für 2009 ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent voraus, 2010 sei wieder ein Wachstum von 1,2 Prozent in Sicht. Sie sind damit deutlich optimistischer als im Juni. Grund für das kräftige Minus im laufenden Jahr sei der tiefe Einbruch im Winterhalbjahr, sagte Döhrn: "Wenn man sich den Verlauf ansieht, hat sich an unserer Prognose nicht so viel geändert."

Gefahren drohten der Konjunktur, wenn das Konjunkturprogramm an Schub verliere. So sei für das kommende Jahr nach dem Auslaufen der Abwrackprämie mit einem Einbruch der Auto-Zulassungszahlen zu rechnen. Zudem werde der Anstieg der Arbeitslosigkeit die Wirtschaft belasten. Bisher wird ein Anstieg der Arbeitslosigkeit noch durch Kurzarbeit gebremst. Doch die Unternehmen müssten angesichts der massiven Unterauslastung der Produktionskapazitäten ihre Kosten senken, sagte Döhrn. "Selbst wenn man ein kräftiges Wachstum unterstellt, gehen viele Arbeitsplätze verloren." Im Jahresschnitt 2010 sei mit gut 4,1 Mio. Arbeitslosen zu rechnen, zum Ende kommenden Jahres dürften es sogar 4,4 Mio. werden.

Zugute komme der deutschen Wirtschaft dagegen die Belebung des Welthandels. Im kommenden Jahr dürfte der Handel um sechs Prozent anziehen, nach einem Minus von 13,5 Prozent 2009. Die weltweite Wirtschaftsleistung werde dann um ein Prozent wachsen. Gefahren drohten, etwa durch neue Abschreibungen im Finanzsektor oder Protektionismus, schrieben die Forscher. Schließlich könnten die Notenbanken schneller als erwartet die geldpolitischen Zügel straffen. Allerdings könne der Aufschwung auch schwungvoller ausfallen als gedacht: "So war in der Vergangenheit nach tiefen Einbrüchen auch oft eine starke Erholung zu beobachten.

Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht die Wirtschaft am Ende ihrer Talfahrt. Deutschland werde ab dem zweiten Halbjahr vom anziehenden Welthandel profitieren, erklärte das IWH am Dienstag. Im Jahr 2010 dürfte die deutsche Wirtschaft laut IWH daher wieder um 0,9 Prozent wachsen. Im Frühjahr war das Institut noch von einem Rückgang von 0,2 Prozent ausgegangen.

Die deutsche Exportindustrie sei besonders vom weltweiten Einbruch der Investitionstätigkeit betroffen gewesen, erklärte das Institut. Im laufenden Jahr werde die deutsche Wirtschaft aber noch um 5,2 (zuvor minus 4,8) Prozent schrumpfen. "Im Prognosezeitraum werden die Ausfuhren mit der allmählichen Belebung der Weltkonjunktur jedoch wieder Fahrt aufnehmen." So hätten die Aufragseingänge aus dem Ausland im Frühjahr etwas angezogen und die Warenausfuhren seien in den vergangenen Monaten bereits leicht aufwärts gerichtet gewesen.

Der private Konsum wird laut IWH jedoch nach einem leichten Anstieg im laufenden Jahr im kommenden Jahr wieder sinken. Die Umweltprämie, die Konjunkturprogramme und auch das Urteil zur Pendlerpauschale hätten den privaten Konsum im ersten Halbjahr gestützt. Mit dem Auslaufen der Umweltprämie sei mit einem Rückgang der Pkw-Verkäufe zu rechnen und einem Anstieg der Sparquote.

Die Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich laut IWH merklich verschlechtern. Viele Unternehmen werden demnach gezwungen sein ihre Kosten zu reduzieren - trotz der Konjunkturerholung. Dies werde dazu führen, dass der Personalbestand in den den Unternehmen kräftig reduziert wird. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Jahr auf saisonbereinigt 4,5 Mio. (2009: 3,5 Mio) steigen. Die Quote dürfte von 8,1 Prozent auf 10,3 Prozent klettern.

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