Prognosebörse
Der Handel mit den Erwartungen floriert

Positive Impulse für die deutsche Wirtschaft, verrieten die Bundesstatistiker Mitte November, kamen im dritten Quartal speziell von den Exporten und den Investitionen in Ausrüstungen und Bauten. Diese wertvolle Information nahmen die Teilnehmer der Handelsblatt Prognosebörse auf – und erhöhten ihre Prognosen für die Bruttoanlageinvestitionen.
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FRANKFURT. Tatsächlich legten die Investitionen in Maschinen, Fahrzeuge und Bauten um 1,3 Prozent zu – und damit annähernd so stark, wie der Markt mit 1,4 Prozent am Vortag der Veröffentlichung im Durchschnitt vorhergesagt hatte.

Zufall? Diese Frage lässt sich derzeit nicht mit Gewissheit beantworten. Noch fehlt die Erfahrung, das Experiment ist noch nicht einmal einen Monat alt. Anfang November hatte diese Zeitung die Handelsblatt Prognosebörse EIX („Economic Indicators eXchange“) gestartet gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sowie dem Institut für Informationswirtschaft- und -management und dem Forschungszentrum Informatik, die beide dem Karlsruher Institut für Technologie angegliedert sind.

Auf der Internetplattform handeln Internetnutzer wichtige ökonomische Indikatoren für die deutsche Wirtschaft. Rund 650 Teilnehmer spekulieren bereits darauf, wie sich makroökonomische Größen in Zukunft verändern: die Zahl der Arbeitslosen, die Inflationsrate, das Bruttoinlandsprodukt, die Bruttoanlageinvestitionen und der Export. Auch diverse Teams haben sich gegründet, die miteinander konkurrieren.

Das Motto der Börse ist die sogenannte Weisheit der Masse. Viele Laien, das haben Experimente in der Vergangenheit gezeigt, wissen mehr als ein Experte. Das Prinzip funktioniert wie auf gewöhnlichen Wertpapierbörsen – nur, dass auf virtuellen Prognosemarktplätzen nicht Unternehmensanteile, sondern Erwartungen gehandelt werden.

Nahe dem nach Handelsschluss veröffentlichten amtlichen Wert war auch die Vorhersage des Bruttoinlandsproduktes im dritten Quartal. Die Prognosebörse erwartete einen Anstieg um 0,8 Prozent, tatsächlich lag er bei 0,7 Prozent. Die erste Prognose für den Export dagegen sei noch von einer niedrigen Teilnehmerzahl und damit einer anfänglich niedrigen Liquidität der Börse geprägt gewesen, sagt FZI-Direktor und KIT-Professor Christof Weinhardt, einer der Initiatoren der Prognosebörse.

Denn bereits wenige Tage nach dem Start der Börse endete der Handel für die Exporte. „Mit der Zeit stieg die Teilnehmerzahl sowie die Liquidität, und es war interessant zu sehen, wie die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung der Prognosebörse stetig zunahm“, so Weinhardt.

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