Prognosebörse
Handel mit Inflation und Arbeitslosenzahl

Auf der Handelsblatt-Prognosebörse spekulieren Teilnehmer über den Verlauf der Konjunktur. Die Vorhersagen sind oft besser als die der Profis. Ein Jahr nach dem Start der ersten Version gibt es nun einige Änderungen.
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DÜSSELDORF. Es gibt wohl nur wenige Felder, auf denen man sich in aller Öffentlichkeit so krachend blamieren kann, wie mit Konjunkturprognosen. Auch Experten liegen bisweilen weit daneben. Die Handelsblatt-Prognosebörse hat deshalb einen anderen Ansatz: Sie stützt sich bei den Schätzungen von Inflation, Arbeitslosenzahl oder dem Ifo-Index nicht auf einzelne Experten, sondern auf das gesammelte Wissen von inzwischen mehr als tausend Teilnehmern. Mit dieser Methode gelingen bereits gute Prognosen: Oft lagen sie näher an den tatsächlichen Werten als die Bloomberg-Umfrage unter Bankvolkswirten.

Doch wie können derart viele Menschen zusammen eine Vorhersage treffen?

Die Prognosebörse macht dies möglich, indem sie einen virtuellen Markt für Konjunkturvorhersagen schafft. Jeder Interessierte kann kostenlos ein Konto eröffnen und von dort Konjunkturindikatoren als Aktien handeln: Je nach seinen persönlichen Erwartungen über die Entwicklung eines Indikators, kauft oder verkauft er Aktien. Auf diese Weise fließen die unterschiedlichen Schätzungen der Teilnehmer in den Aktien-Preis ein. Gehandelt wird zwar nur mit Spielgeld, doch die Gewinner erhalten Preise. Die Teilnehmer können auf den Verlauf von sechs Indikatoren spekulieren: die Inflationsrate, den Ifo-Index, das Bruttoinlandsprodukt, die Bruttoanlageinvestitionen, die Zahl der Arbeitslosen und die Exporte.

Vor einem Jahr startete das Handelsblatt die Prognosebörse, gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), sowie dem Institut für Informationswirtschaft- und management und dem Forschungszentrum Informatik, die beide dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) angegliedert sind. Trotz vergleichsweise guter Schätzungen, sind im bisherigen Verlauf der Prognosebörse einige Schwächen deutlich geworden: So konnten Teilnehmer mit Wetten auf den Export viel höhere Gewinne erzielen, als mit guten Prognosen auf andere Indikatoren. Dies verzerrte die Ergebnisse in der Rangliste. Auch das Handelsvolumen an der Prognosebörse war relativ gering. Entsprechend stark schwankten die Kurse, wodurch das Timing beim Handel einen starken Einfluss auf die Ergebnisse hatte. Einige Teilnehmer kritisierten dies. "Im Vordergrund sollte die Qualität der Prognose stehen und nicht der Handelsgedanke", sagt etwa Günther Lehmkuhl. Der Volkswirt eines großen Elektrokonzerns gehört zu den erfolgreichsten Spielern der Prognosebörse. Er und andere Teilnehmer haben Verbesserungsvorschläge gemacht. Viele davon flossen nun in eine neue Version der Prognosebörse ein. Sie hat am 1. November begonnen - ein Jahr nach dem Start der ersten Version.

Eine wichtige Änderung der neuen Version betrifft die Umrechnung zweier Indikatoren: der Exporte und des Ifo-Index. Statt der prozentualen Veränderung handeln die Teilnehmer hier neuerdings Prognosen über absolute Werte. Seit einigen Monaten gibt es außerdem die Möglichkeit, Leerverkäufe zu tätigen. Viele Politiker würden Leerverkäufe in der Realität am liebsten verbieten, doch Teilnehmer der Prognosebörse hatten gefordert, sie auf dieser Plattform zu erlauben. Durch dieses Instrument sollen Kursübertreibungen vermieden und die Schätzungen verbessert werden. Eine Einschränkung gibt es allerdings weiter: Leerverkäufe sind nicht im gesamten Zeitraum möglich, sondern erst ab Mitte der ersten Handelsperiode. Für Aktien, die quartalsweise bekanntgegeben werden, sind Leerverkäufe erst nach anderthalb Monaten möglich. Schließlich hat sich auch bei der Preisvergabe etwas geändert. Die Monatspreise richten sich nun nach dem Abschneiden in der Rangliste. Um sich für die Vergabe der Monatspreise zu qualifizieren, muss ein Teilnehmer außerdem mindestens fünf Transaktionen in einem Monat durchgeführt haben.

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