Rückenwind auch aus den anderen Wirtschaftsregionen der Welt
Ende des Konjunkturtals steht bevor

In Deutschland und Europa verdichten sich die Anzeichen für ein Ende des tiefen Konjunkturtales. Allerdings dürfte sich die erwartete Belebung hier zu Lande erst 2004 deutlicher zeigen. Ein nennenswertes Wirtschaftswachstum noch in diesem Jahr ist nach Einschätzung von Experten kaum noch möglich.

HB/dpa HAMBURG. Genährt werden die aufkeimenden Hoffnungen auf einen näher rückenden Aufschwung von einer erneut besseren Stimmung in der europäischen Wirtschaft. Der Wirtschaftsklima-Index des Münchner ifo Instituts für den Euro-Raum stieg seit der vergangenen Befragung vor drei Monaten von 74,6 auf 78,0 Punkte. „Diese Besserung beruht jedoch ausschließlich auf optimistischeren Erwartungen für die nächsten sechs Monate, während sich die Urteile zur aktuellen wirtschaftlichen Lage sogar weiter verschlechterten“, sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Mittwoch. Da aber die Erwartungen traditionell den Lagebeurteilungen vorauseilten, bestehe Anlass zur Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung ab dem zweiten Halbjahr. Bei der dritten Befragung in diesem Jahr stieg der Klima-Index im Euro-Raum zum dritten Mal in Folge.

Rückenwind bekommt die heimische Wirtschaft auch aus den anderen Wirtschaftsregionen der Welt. Besonders für die USA sind die Aussichten nach Einschätzung des Hamburgischen Welt-Wirtschafts- Archivs (HWWA) günstig, weil die Wirtschaftspolitik besonders expansiv angelegt sei. „Die USA übernehmen insgesamt eine Vorreiterrolle für die weltwirtschaftliche Erholung“, heißt es in einer neuen Konjunkturanalyse des HWWA. Aber auch Asien habe sich als Wachstumsregion von der noch stagnierenden Weltkonjunktur abgekoppelt. Allerdings warnen der HWWA-Forscher vor übermäßiger Zuversicht: „Die Risiken nach unten sind jedoch nach wie vor größer als die Chancen einer günstigeren Entwicklung.“

Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr nach Einschätzung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) nicht wachsen. „Wir sehen für 2003 insgesamt eine rote Null“, sagte RWI-Experte Ullrich Taureg dem Wirtschaftsmagazin „Focus-Money“. Die Folgen seien ein neues Vier-Milliarden-Loch im Staatshaushalt und Mehraufwand für Arbeitslose.

Die Bundesregierung, die für 2003 offiziell immer noch an einer Prognose von plus 0,75 Prozent festhält, hofft nun wenigstens „auf eine wirtschaftliche Belebung im letzten Jahresdrittel“. Dabei setzt sie vor allem auf die Ausgabefreudigkeit der Verbraucher, wie aus dem Monatsbericht des Ministeriums vom Mittwoch hervorgeht.

Das Essener Institut hält die Regierungsprognose für unrealistisch. „Der leichte Rückgang des Bruttoinlandsprodukts auch im zweiten Quartal bedeutet, dass die vom Ministerium veranschlagten 0,75 Prozent Wachstum für 2003 nicht mehr zu schaffen sind“, sagte Taureg. „Um das aufzuholen, müsste die Wirtschaft mit einer Jahresrate von fast fünf Prozent im zweiten Halbjahr wachsen.“ Die Skepsis deckt sich mit der Einschätzung des Bankenverbandes, der allenfalls mit einer schleppenden und recht moderaten Aufwärtsbewegung in der zweiten Jahreshälfte rechnet. Das Finanzministerium bestätigt in seinem Bericht den bisher schwachen Verlauf: „Im Durchschnitt des gesamten ersten Halbjahres 2003 bewegte sich das Bruttoinlandsprodukt real in etwa auf dem entsprechenden Vorjahresniveau (minus 0,1 Prozent).“

Trotz aller Reformbemühungen muss die Regierung feststellen: „Nach wie vor ist die Lage am Arbeitsmarkt sehr kritisch.“ So verharre die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl mit 4,4 Millionen im Sommer in etwa auf dem Februar-Niveau. Andererseits habe sich der Rückgang der Beschäftigtenzahl deutlich verlangsamt. Nach Einschätzung des Bankenverbandes wird das erwartete Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent 2004 nicht für eine Ausweitung der Beschäftigung sorgen.

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