Rückschlag für US-Wirtschaft
Amerikaner schrauben Konsum zurück

Nach dem Auslaufen der staatlichen Abwrackprämie schränkten die Verbraucher ihre Ausgaben im September zum ersten Mal seit fünf Monaten ein. Zudem sind die Aussichten für Oktober düster, das Verbrauchervertrauen gab nach. Zunehmend drückt die steigende Arbeitslosigkeit auf die Stimmung der Verbraucher.
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dne/HB WASHINGTON. In der Industrie stehen dagegen die Zeichen auf Wachstum, ein Einkaufsmanagerindex stieg deutlich stärker als erwartet. Nach Einschätzung von Experten steht nun das Verarbeitende Gewerbe hinter der Erholung der US-Wirtschaft. Die Verbraucher fielen dagegen erst einmal aus.

Der private Verbrauch sank wie erwartet um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Freitag bekanntgab. Das war der stärkste Rückgang seit Dezember. Experten führten dies auf das Ende der staatlichen Abwrackprämie zurück, die im August zum letzten Mal gewährt wurde. Sie hatte den privaten Konsum im August um 1,4 Prozent steigen lassen. Der Rückgang im September sei ein erstes Indiz dafür, dass die Verbraucher die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal nicht mehr so stark ankurbeln wie noch im Sommer, sagte Ian Morris von HSBC Securities. „Der Konsum dürfte im vierten Quartal schwächeln.“

Zur zunehmenden Belastung für die US-Wirtschaft wird dabei die weiter steigende Arbeitslosigkeit. Allein in der vergangenen Woche meldeten sich 530 000 Amerikaner arbeitslos. Dazu komme die anhaltend hohe Verschuldung, welche die Verbraucher verstärkt zum Sparen zwinge, sagte Chad Morganlander von Stifel, Nicolaus & Co. Zwar lag der Index des Verbrauchervertrauens von Reuters und der Uni Michigan im Oktober mit 70,6 Zählern über den Erwartungen der Analysten und hat sich von seinen Tiefstständen erholt. Dennoch ist das weit unterhalb des Niveaus, das vor der Krise erreicht worden war. „Das spiegelt die immer noch gestressten Verbraucher wider, die sich damit abmühen, ihre Schulden zu begleichen“, sagte Morganlander.

Zur Hoffung für die US-Wirtschaft entwickelt sich daher zunehmend die Industrie. Das Barometer der Einkaufsmanager von Chicago legte überraschend stark auf 54,2 Punkte von 46,1 Zählern im September zu und notierte damit wieder deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Firmen profitierten dabei vor allem von kräftig anziehenden Aufträgen. „Das sind ziemlich gute Nachrichten“, sagte Swiss-Re-Experte Kurt Karl. Als Enttäuschung bewerteten Analysten dagegen, dass sich die Aussichten für die Beschäftigung bei den Industriebetrieben im Mittleren Westen eintrübten.

Im dritten Quartal war die weltgrößte Volkswirtschaft zum ersten Mal seit einem Jahr wieder gewachsen - um 3,5 Prozent. Damit dürfen sich die USA aus der Rezession gelöst haben, in der sie seit Ende 2007 stecken. US-Finanzminister Timothy Geithner bezeichnete das als sehr ermutigend. Zugleich warnte er aber vor Schwierigkeiten auf dem Weg aus der Krise.

Der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, wertet die BIP-Daten als Signal für die Wirksamkeit der konjunkturellen und finanzmarktpolitischen Maßnahmen gegen die Finanz- und Wirtschaftkrise. Die Zahlen seien zudem ein Hinweis auf die nahe Zukunft. "Denn erst weit weniger als die Hälfte der konjunkturell geplanten Ausgaben sind bislang getätigt worden, so dass auch in den kommenden Quartalen die Dynamik kräftig sein sollte", sagte Kater am Freitag im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Für die Finanzmärkte waren die Zahlen die wichtige Bestätigung der bereits angelegten Vermutung, dass die Stabilisierung der Weltwirtschaft unterwegs ist", fügte der Ökonom hinzu. Dies bilde einen weiteren Baustein für den Wiederaufbau von Vertrauen in Wirtschaft und Finanzmärkte.

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  • Ein Tag Euphorie, einen Tag Depression. Der steigende Goldpreis zeigt die Verbreitung des US-Geldgeschwürs an. Neben dem Handelsblatt finde ich das Marktorakel.com noch als sozusagen "harte" Ergänzung empfehlenswert.
    Gruß
    Fabi

  • rien ne va plus....die staatsverschuldung ist grotesk und bringt beanntermassen langfristig kaum wachstum. ja, das wachstum...angeblich brauchen wir davon immer mehr, und mit aller gewalt wird geld dafür ausgegeben..wenn ich als vermieter meinen mietern geld dafür gebe, dass sie eine mieterhöhung akzeptieren, dann macht das ökonomisch absolut keinen sinn.vielleicht wäre es ja mal an der zeit zu sagen: genug! immer mehr, immer höher, immer lauter. das ist krank,und die meisten menschen spüren und wissen das wohl auch. es traut sich nur niemand zu sagen, dass wir vielleicht mal ausnahmsweise der realität ins auge sehen sollten und erkennen, dass wir den gürtel um unsere wohlstandsbäuche die kommenden jahre wohl enger schnallen werden.aber diese rückbesinnung wird der einzige weg sein, ansonsten zahlen unsere kinder noch die schulden ab, oder es zahlt keiner mehr, weil alle schulden haben....da gäbe es doch noch die "alternative": eine "kleine" währungsreform, frei nach dem motto 1:1000....und das spiel fängt wieder von vorne an...

  • Na jetzt haben sie endlich ihr Wachstum. Für dieses "Ergebnis" wurden Schulden in billiardenhöhe angehäuft. Wer sagt denen und auch den deutschen "befehlsempfängern", daß sie auf dem völlig falschen Gleis sind ? Nur um jetzt hier die angebliche "Rückkehr zum Wachstum" verkünden zu können, werden die öffentlichen Haushalte in die Schuldenspirale getrieben. Denn das Wachstum wird nicht halten, es geht 2010 weiter abwärts, wenn die Strohfeuerprogramme erlöschen. Da ist es natürlich äußerst vorausschauend, jetzt noch schnell einen riesigen Schuldenberg draufzulegen. irgendwie muß das ja schon wehtun, soviel Dummheit.

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