Saisonabschwung
Arbeitslosenquote steigt

Die Eurokrise schlägt sich immer mehr auf den Arbeitsmarkt nieder. So stieg die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone auf den höchsten Stand seit Einführung der Währung. Auch Deutschland kann sich dem Trend nicht entziehen.
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Nürnberg/Rom/Berlin/BrüsselDie Schuldenkrise hält die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf Rekordniveau. Im Juni waren 17,8 Millionen Menschen im Währungsgebiet ohne Job, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote lag wie im Mai bei 11,2 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Einführung des Euro. "Das sind noch einmal schreckliche Zahlen vom Arbeitsmarkt in Euro-Land, und das wirft dunkle Schatten auf die Konsumausgaben und die Wachstumsaussichten", sagte Analyst Howard Archer von IHS Global Insight.

Allerdings ist die Schere sehr groß. Während die kriselnden Schuldenstaaten Spanien mit 24,8 Prozent und Griechenland mit 22,5 (im April) Rekordzahlen melden, liegt die Arbeitslosenquote in Österreich mit 4,5 Prozent und Deutschland mit 5,4 Prozent - nach international vergleichbaren ILO-Daten - sehr niedrig.

Besonders hart trifft es in der Euro-Zone wie auch in Gesamteuropa die Jungen. Bei den Menschen unter 25 Jahren war mehr als jeder Fünfte ohne Job (22,4 Prozent in der Eurozone, 22,6 Prozent in allen EU-Ländern). Knapp 3,36 Millionen Junge hatten in der Eurozone keine Arbeit, 5,47 Millionen in allen EU-Ländern. Beide Werte sind um mehr als 200 000 geklettert.

Auch die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) hat neue Zahlen vorgelegt, diese beziehen sich jedoch schon auf den Juli. Zu beachten ist zudem, dass die EU-Statistiker die Arbeitslosenquote nach anderen Kriterien als die BA berechnet. Deshalb weichen die EU-Angaben von denen aus Nürnberg ab.

Laut BA-Statistik ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli auf 2,876 Millionen gestiegen. Das seien 67.000 mehr gewesen als im Juni, aber noch 63.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Monatsvergleich nach deutschen Kriterien um 0,2 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise erklärte, die Arbeitslosigkeit sei in der Sommerpause vor allem aus saisonalen Gründen gestiegen. "Die Grundtendenz am deutschen Arbeitsmarkt ist im Juli weiter insgesamt positiv", sagte Weise. "Es zeigen sich aber Anzeichen einer schwächeren Entwicklung." Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen stieg die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt um 7000 Erwerbslose. Volkswirte hatten einen Anstieg um 10.000 erwartet. Er räumte zwar ein, dass er für die kommenden Monaten mit keinem größeren Abbau der Arbeitslosigkeit mehr rechne. Aber die Nachfrage nach Arbeitskräften sei weiterhin hoch, betonte Weise am Dienstag in Nürnberg.

Für das Jahr 2012 erwarte er weiterhin eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von rund 2,9 Millionen. Er sehe keinen Anlass, diese Jahresprognose zu revidieren, erläuterte der BA-Chef. Diese Einschätzung setze allerdings voraus, dass es nicht zu „wirtschaftlichen Schocks“ etwa im Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise komme. Aber auch für einen solchen Fall sei die Bundesagentur gerüstet. Die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen seien darauf vorbereitet, Firmen sehr schnell etwa zu Kurzarbeit zu beraten, um einen größeren Jobabbau zu verhindern.

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  • Stille Wasser sind tief. Und wer immer nur Frust in sich reinschaufelt explodiert irgendwann. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommen wird, aber ich befürchte es wird passieren.

  • ich denke wir kommen um eine 25h woche nicht herum. arbeiten von 9 bis 15Uhr sowie früher in der schule. das ist ein gesundes worklife-balance modell. man hat was vom tag und kann sich sportlich betätigen. weniger depression, übergewicht und freundlichere menschen wären die folge.

    auf in das zeitalter der vollommenen automatisierung.

  • Das geht auch weiter so, keine Sorge....der Deutsche muckt VIELLEICHT erst dann auf, wen er die Folgen direkt zu spüren bekommt...vorher passiert hier gar nichts, wieso auch? die Menschen merken allgemein nicht viel von der Krise und gehen nach wie vor 6 Monate im Jahr weiter für den Abzockestaat arbeiten.

    Weiter so.....wenn dann niemand erwacht, haben sie es alle verdient und quasi eingefordert.

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