Satz für Tagesgeld liegt weiter bei 1,0 Prozent
US-Notenbank lässt Zinsen unverändert

Die US-Zinsen bleiben unverändert. Die Notenbank (Fed) beschloss am Dienstag, die Zinsen auf ihrem tiefsten Stand seit den 50er Jahren zu belassen. Diese Entscheidung war erwartet worden. Dennoch profitierten die Märkte davon.

HB WASHINGTON. Nach dem einstimmigen Beschluss des Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed liegt der Schlüsselzins in den USA weiter bei 1,00 % und damit nur halb so hoch wie in der Euro-Zone. Die Währungshüter äußerten sich in ihrer Erklärung aber anders als nach den vergangenen Sitzungen besorgt über die weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage, womit sie sich Analysten zufolge grundsätzlich die Tür für eine weitere Zinssenkung offen hielten. In einer Reuters-Umfrage nach der Fed-Entscheidung äußerte eine Mehrheit der befragten Primärhändler die Erwartung, dass die Fed den Schlüsselzins nicht vor Mitte nächsten Jahres anheben werde.

Die Fed wiederholte zugleich ihre Warnung vor den Gefahren eines weiteren unerwünschten Rückgangs der Inflation für die allmähliche Konjunkturerholung. Die US-Börsen zogen wegen der Aussicht auf längerfristig niedrige Kreditkosten an.

„Nach Auffassung des Ausschusses halten sich die Auf- und Abwärtsrisiken für das Erreichen nachhaltigen Wirtschaftswachstums in den nächsten Quartalen in etwa die Waage“, hieß es in der mit Spannung erwarteten Erklärung der Fed. Für absehbare Zeit bleibe das - wenn auch geringe - Risiko eines Rückgangs der Inflation auf ein unerwünscht niedriges Niveau die vorherrschende Sorge der Notenbank. „In diesem Umfeld geht der Ausschuss davon aus, dass die lockere Geldpolitik für eine beträchtliche Zeit beibehalten werden kann.“ Analysten hatten einhellig mit unveränderten Zinsen gerechnet, nachdem mehrere US-Notenbanker in den vergangenen Wochen signalisiert hatten, die Fed werde die Leitzinsen noch einige Zeit niedrig halten, um die beginnende Konjunkturerholung zu unterstützen. Seit Anfang 2001 hat sie den Zins in 13 Schritten reduziert.

Mit ähnlichen Warnungen vor der Gefahr sinkender Preise für die sich allmählich erholende Konjunktur hatte die Fed an den Finanzmärkten im Frühjahr Sorgen vor einer Deflation, also einer Abwärtsspirale aus nachhaltig sinkendem Preisniveau und rückläufiger Nachfrage, ausgelöst. Nach Einschätzung der meisten Volkswirte hat sich das Deflationsrisiko aber mit den zunehmenden Anzeichen für eine Belebung der weltgrößten Volkswirtschaft reduziert. Für das laufende Quartal rechnen Experten mit annualisierten Wachstumsraten von bis zu fünf Prozent nach 3,1 % im zweiten Vierteljahr.

Fed besorgt über Lage am Arbeitsmarkt

„Die seit der letzten Sitzung (am 12. August) eingegangenen Daten zeigen, dass die Ausgaben anziehen, obwohl sich die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtert hat“, erklärte die Notenbank. Mit dieser praktisch einzigen Änderung an ihrer Erklärung des vergangenen Treffens lässt sich die Fed nach Einschätzung von Volkswirt Cary Leahey von Deutsche Bank Securities überraschend noch die Option einer weiteren Zinssenkung offen. Ihr Institut gehe zwar weiter davon aus, dass der nächste Schritt eher eine Erhöhung sein werde. „Doch die Wahrscheinlichkeit einer Senkung ist nach dem Treffen gestiegen“, sagte sie.

Die meisten Volkswirte sahen sich angesichts der Erklärung der Fed aber alles in allem in ihrer Erwartung bestärkt, dass die Notenbank die Zinsen wohl mindestens bis Ende 2004 unverändert lassen wird. „Die Fed dürfte im ganzen nächsten Jahr abwarten“, sagte Chris Low, Chefvolkswirt von FTN Financial. Sollte sich die Lage am Arbeitsmarkt allerdings überraschend deutlich verschlechtern, sei eine weitere Lockerung gegen Ende dieses Jahres zu erwarten.

Auch bei vielen Volkswirten und Anlegern waren zuletzt Sorgen aufgekommen, die konjunkturelle Belebung in den USA bleibe vor allem wegen der hohen Produktivitätsfortschritte ohne spürbare Impulse auf den Arbeitsmarkt. Seit Anfang 2001 sind rund 2,8 Mill. Arbeitsplätze abgebaut worden. Viele Volkswirte rechnen auch im nächsten Jahr nicht mit einer Verbesserung der Situation, was dann auch beim Präsidentschaftswahlkampf 2004 zu einem großen Thema werden dürfte.

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