Schattenratsmitglieder kritisieren Bedingungen für Teilnahme an Währungsunion als überholt
Experten fordern leichtere Euro-Einführung

Die geltenden Kriterien zum Beitritt neuer Länder zur europäischen Währungsunion (EWU) sind nach Meinung vieler Ökonomen teilweise unzweckmäßig und überholt. Dies ergab eine Diskussion unter den Mitgliedern des EZB-Schattenrats.

FRANKFURT/M. Der 2002 auf Initiative von Handelsblatt und Wall Street Journal Europe gegründeten Gruppe gehören 18 prominente Geldpolitik-Experten aus Hochschulen, Banken und Forschungsinstituten an. Auf nahezu einhellige Ablehnung stößt bei den Experten die Vorschrift im Maastrichter Vertrag, dass die Inflationsrate der Beitrittskandidaten die Rate in den drei Euro-Staaten mit der besten Inflationsperformance um höchstens 1,5 Prozentpunkte übersteigen darf.

„Diese Regelung war sinnvoll, als es noch keine Währungsunion gab“, sagte Daniel Gros, Direktor am Brüsseler Centre for European Political Studies. Heute dränge sich die durchschnittliche Inflationsrate im Euro-Raum als Maßstab auf.

Besonders kritisch sehen viele Fachleute das Erfordernis einer spannungsfreien zweijährigen Mitgliedschaft im Europäischen Wechselkursmechanismus (WKM II) vor dem Beitritt zur EWU. Dabei werden die Wechselkurse zum Euro stabilisiert, wobei jedoch die Zielkurse einem Änderungsvorbehalt unterliegen.

„Die Teilnahme am WKM II setzt die Beitrittsländer einem unnötigen Risiko von Wechselkurskrisen aus“, argumentierte der Genfer Ökonom Charles Wyplosz und verwies auf die schlechten Erfahrungen vieler Länder mit solchen „weichen“ Wechselkursbindungen. „Kleine offene Volkswirtschaften gewinnen durch den Änderungsvorbehalt beim Wechselkurs kaum etwas, aber sie werden dadurch einem hohen Risiko ausgesetzt“, ergänzte Marko Skreb, ehemaliger Gouverneur der kroatischen Zentralbank. Die Ökonomen verwiesen darauf, dass die Spekulation auf eine im Rahmen von WKM II mögliche Veränderung der zentralen Wechselkursparität massive Kapitalzuflüsse oder -abflüsse in die und aus den Beitrittsländern führen könne. Das könne erfahrungsgemäß zu Bankenkrisen, Inflationsschüben oder einer Rezession führen. „Die lange Liste der Krisen in den 90er-Jahren zeigt, dass solche Wechselkurssysteme nur unter besonders günstigen Bedingungen tragfähig sind“, warnt Wyplosz.

Mit Estland, Litauen und Slowenien sind Ende Juni bereits drei Beitrittsländer dem Wechselkursmechanismus WKM II beigetreten.

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