Schuldenkrise
EZB-Banker befeuert Debatte über Hilfe für Pleitestaaten

Im Kampf gegen die Schuldenkrise findet die EU keine gemeinsame Linie. Luxemburg und Italien wollen angeschlagene Staaten über eine Euro-Anleihe mit frischem Geld versorgen. Deutschland lehnt dies genau so strikt ab wie eine Vergrößerung des Euro-Rettungsschirms. Nun prescht ausgerechnet ein Mitglied des EZB-Direktoriums vor.
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HB BRÜSSEL. EZB-Ratsmitglied Guy Quaden hat sich in der Schuldenkrise Forderungen nach einer Ausweitung des Euro-Rettungsschirms angeschlossen. „Ich wäre persönlich dafür“, sagte Quaden am Montag in Brüssel vor Journalisten. Der Chef der belgischen Notenbank hat Sitz und Stimme im Entscheidungsgremium der Europäischen Zentralbank (EZB). Einziger Sprecher des Rats ist jedoch Präsident Jean-Claude Trichet, der sich zu dem Thema bislang bedeckt gehalten hat.

Quaden positioniert sich mit seiner Haltung gegen die Bundesregierung in Berlin, die eine Aufstockung der Rettungshilfen für schuldengeplagte Eurostaaten ablehnt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und Belgien haben sich kurz vor dem Treffen der Euro-Finanzminister hingegen für eine Vergrößerung des Rettungsschirms für schuldengeplagte Mitgliedsländer starkgemacht.

Die Finanzminister der Euro-Gruppe wollten am Montagabend zu Beratungen in Brüssel zusammenkommen. Nach Einschätzung des belgischen Ressortchefs Didier Reynders dürfte dabei das Thema Rettungsschirm zur Sprache kommen.

Die Schuldenkrise in der Euro-Zone hatte sich zuletzt verschärft, nachdem Irland Kredithilfen in Höhe von 85 Milliarden Euro aus dem bis 2013 aufgespannten 750-Milliarden-Euro-Rettungsschirm beantragt hatte. Über einen Garantierahmen - kurz EFSF genannt - steuern die Europartnerländer dazu insgesamt 440 Milliarden Euro bei.

Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker hat erneut die Einführung einer gemeinsamen europäischen Staatsanleihe gefordert. Zugleich schlug der luxemburgische Premierminister Juncker in einem Gastbeitrag mit Italiens Finanzminister Giulio Tremonti in der „Financial Times“ vor, eine Europäische Schuldenagentur zu schaffen. Diese könnte gemeinsame Anleihen begeben und ihre Arbeit noch in diesem Jahr aufnehmen.

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Kommentare zu " Schuldenkrise: EZB-Banker befeuert Debatte über Hilfe für Pleitestaaten"

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  • uns reichts langsam von Juncker und Konsorten..

  • Erstaunlich ist die Art wie die deutsche Media, auch das Handelsblatt, über die Finanzkrise berichten.
    "Pleitestaaten" oder ähnliche primitive Ausdrucksweise sind Gang und Gäbe. Merkwürdigerweise nur in den deutschen Media. in keinem anderen EU-Land wird der Maßen primitiv argumentiert. ist das die sogenannte Deutsche Leitkultur" oder sind die Deutsche immer noch die barbaren Europas?

  • @Profit
    [4] Profit

    "belgien? Gibt es diesen Staat überhaupt noch? Wenn ja, wird es höchste Zeit, daß er verschwindet. im gleichen "Aufwasch" kann man dann auch das "Problem" Luxemburg erledigen.." Das waren doch ihre Worte. Genau das haben wir schon mal versucht ... am 10.05.1940. Ziemlich genau fünf Jahre später wurde uns dann die Quittung präsentiert. Um genau diese Art von Problemlösung zu verhindern, wurde die EU gegründet und der Euro eingeführt.
    Die EU hat den Krieg in die Verhandlungsräume in brüssel verlegt (siehe die "schreienden Finanzminister" und den "boxring"-Kommentar eines nicht ganz unwichtigen Politikers). Wie das beispiel Jugoslawien schön gezeigt hat, können diese "Kriege" auf dem Verhandlungswege sehr schnell wieder auf die Straße verlegt werden. - Am schnellsten durch die Abschaffung des Euro.

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