Schwaches Wachstum
Dienstleistungsbranche geht die Puste aus

Die Erholung der Dienstleister in Deutschland büßt weiter an Tempo ein. Das Wachstum fiel einer Umfrage zufolge im Mai so schwach aus wie seit sieben Monaten nicht mehr. Düster sieht es in den Euro-Krisenländern aus.
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BerlinDer Einkaufsmanagerindex sank um 0,7 Punkte auf 56,1 Zähler und markierte damit ein deutlich schwächeres Wachstum als noch zum Jahresauftakt, wie die Markit-Experten am Freitag zu ihrer Umfrage unter etwa 500 Firmen mitteilten. "Hauptsächlich das ins Stocken geratene Neugeschäft dämpfte das Wachstum im Mai", schrieben die Experten. Besonders die Privatverbraucher hielten sich zurück.

Dabei spielten die gestiegenen Energie- und Kraftstoffpreise eine Rolle, die Druck auf die verfügbaren Einkommen ausübten, schrieben die Forscher. Besser sehe es bei Geschäftskunden aus, und auch aus dem Ausland sei die Nachfrage besser. Dennoch signalisiert der Einkaufsmanagerindex trotz des jüngsten Rückgangs immer noch ein im historischen Vergleich hohes Wachstum. Zudem fällt der Rückgang geringer aus als in einer ersten
Schätzung angenommen. In allen sechs von der Umfrage erfassten Branchen ging es im Mai aufwärts. Die stärksten Geschäftszuwächse meldeten Transport- und Lagerhaltungsfirmen, am geringsten fiel das Plus im Gastgewerbe sowie bei Finanzdienstleistern aus.

Auch für die kommenden zwölf Monate zeigten sich die Firmen nicht mehr so optimistisch wie in den vergangenen Monaten. Sie rechneten mit weiteren Geschäftszuwächsen, wenngleich das Tempo spürbar nachlassen dürfte. Das entsprechende Barometer gab so stark nach wie seit Februar 2010 nicht mehr. Am zuversichtlichsten seien Transporteure und Firmen aus dem Bereich Lagerhaltung. Angesichts der immer noch guten Geschäfte wollen die Dienstleister ihre Belegschaften weiter aufstocken. Bereits seit 16 Monaten werden im Dienstleistungsbereich Stellen geschaffen, derzeit sogar überdurchschnittlich viele. Besonders viele neue Jobs entstanden im Bereich Vermietung und unternehmensnahe Dienstleistungen. Positives gab es an der Preisfront, wo sich der Kostenschub für die Unternehmen abschwächte.

Wachsende Kluft zwischen starken und schwachen Euro-Ländern

Im Vergleich zu vielen europäischen Nachbarn steht Deutschland aber vergleichsweise gut da. Die Dienstleister in den kriselnden Euro-Staaten leiden unter dem Spardruck und verlieren zunehmend den Anschluss. Während die Geschäfte in Deutschland und Frankreich im Mai trotz eines leichten Dämpfers weiter rund laufen, klagt die Service-Branche in Italien, Spanien und Irland über magere Wachstumsraten. "Die Dienstleister in den hoch verschuldeten Peripherieländern bekommen die Sparmaßnahmen hautnah zu spüren, da diese die Inlandsnachfrage abwürgen", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson zur am Freitag veröffentlichten monatlichen Markit-Umfrage unter rund 2000 Firmen.

Die wachsende Kluft zwischen den starken und schwachen Ländern bezeichnete Markit als besorgniserregend. Dies führe zu großen Unterschieden in der Marktmacht und beim Spielraum, den Kostenschub an die Kunden weiterzureichen. "Wegen der florierenden Servicekonjunkturen wurden die Angebotspreise in Frankreich und Deutschland angehoben, während sie in den Ländern mit moderaterer Wirtschaftsentwicklung - Italien, Spanien und Irland - reduziert werden mussten", erklärte Markit. "In Spanien und Irland beschleunigte sich der Abwärtstrend sogar nochmals."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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